Adventure Cycle-Touring Handbook

adventure-cycle-touring-handbook Das neue Adventure Cycle-Touring Handbook ist da. Diese Meldung las ich auf der Homepage von Travelling Two. Letzten Mittwoch bestellte ich das Buch bei Trailblazer in England für £ 14,99 (ohne zusätzliche Lieferkosten), am Freitag lag es schon im Briefkasten. Ein toller Service.

Das Buch enthält auf über 300 Seiten Reiseratschläge, Inspiration und Geschichten. Das ist viel Stoff zum Aufsaugen. Es überrascht nicht, dass dieses Werk unter Reiseradlern zur Bike-Bibel avancierte, nachdem es erstmals 2006 publiziert worden ist.

Oberflächlich gesehen scheint der Inhalt der Gleiche zu sein wie in der ersten Ausgabe, zumindest was die Struktur betrifft. Wie auch im Vorgänger startet man mit praktischen Erwägungen wie welches Fahrrad das Richtige ist und wie man die Campingausrüstung auswählt. Teil 2 beschreibt Routen um die ganze Welt und der letzte Teil unterhält mit vergüglichen und amüsanten Geschichten von teilweise bekannten Radreisenden.

Taucht man etwas tiefer ein, entdeckt man schnell, wie viel Autor Stephen Lord und seine Schar von fast 50 Mitwirkenden zu dieser neuen Ausgabe hinzugefügt haben.

Mehr Ausrüstung und Routen

Der Abschnitt Ausrüstung ist deutlich grösser, mit mehr als 10 aktuellen Empfehlungen für geeignete und weithin verfügbaren Tourenräder. Surly‘s Long Haul Trucker (guck Dir unbedingt auch mal das Big Dummy an ;) ), Thorn‘s Raven Tour und das Liegerad Street Machine von HP Velotechnik, alle werden vorgestellt. Es wird auch erklärt, wie man ein gebrauchtes Mountainbike an die Bedürfnisse eines Tourenradlers anpassen kann. Wichtige Ausrüstungsteile wie Zelte, Gepäckträger und Reifen erhalten genau so viel Aufmerksamkeit wie praktische Tipps zu Impfungen oder wie man die Reisekosten berechnet.

Ein immer währendes Thema sind die Profile von ultraleicht Reisenden und der Schwergewichtsfraktion, die mehr als nur den normalen Haushalt mit schleppt. Die Unterschiede zwischen “so viel wie nötig” und “so viel als möglich” sind faszinierend. Cameron Smith reiste mit minimalistischen 8 kg Ausrüstung während 6 Monaten durch China und Tibet. Sein Kulturbeutel enthielt nur eine Zahnbürste, Zahnpasta, Toilettenpapier und ein Handtuch. Alvaro Neil zieht es vor, 3 Kocher, 8 Ortlieb Taschen, einen extra Reifen und Essen für 1-2 Tage auf sein schwer beladenes Rad zu packen. Immerhin war er 10 Jahre unterwegs.

Als nächstes kommt das Herzstück des Buches, 144 Seiten aktualisierte und erweiterte Routenbeschreibungen. Kaum ein Teil der Welt bleibt unerwähnt. Nichts wird so ausführlich behandelt wie in einem regionalen Reiseführer. Erwarte keine Hotelempfehlungen oder detaillierte Routenbeschreibungen von Kreuzung zu Abzweigung. Aber es  gibt genügend Informationen, um Appetit auf die Straße zu machen und Deine Route zu planen, einschliesslich Hinweise auf die Landschaften, Kulturen und fremde Lebensmittel, die Du in unbekannten Teilen der Welt antreffen wirst, alle aus der Perspektive des Radlers geschrieben.

Überall eingestreut sind besondere Tipps. Du erfährst, was es mit den Zecken in Russland auf sich hat, was Dich in den Badehäusern (der billigste und interessanteste Weg für einen schmuddeligen Radfahrer, sich zu schrubben) des Nahen Ostens erwartet und welche kostenlose Camping-Möglichkeiten es in Japan gibt.

Wie es sich für ein Buch mit dem Wort “Abenteuer” im Titel gehört, liegt der Fokus auf Reisen in weniger entwickelten Ländern. Eine große Karte zeigt die wichtigsten trans-kontinentalen Strecken von Europa nach Asien. Das ist von unschätzbarem Wert, wenn Du  herauszufinden möchtest, wie Strecken wie der Karakorum Highway durch Pakistan mit Strassen weiter nördlich durch Russland und Zentralasien verbunden werden könnten.

Es gibt einen grossen Abschnitt über Tibet, einschliesslich Tipps für Reisegenehmigungen und der Beschreibung einer der härtesten Radtouren der Welt. Die Reise von Lhasa nach Kashgar führt über 31 Pässe, 9 von ihnen liegen über 5.000 Meter. Afrika bekommt auch ein bedeutendes Kapitel mit einem Streckenplan, Profilen der wichtigsten Länder, die Du vielleicht bereisen möchtest und den Antworten auf einige der häufigsten Fragen über das Radfahren dort wie Strassenzustand, Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und was Du über die Korruption dort wissen solltest.

Weniger Aufmerksamkeit bekommen besser bekannte und vertrautere Gebiete wie Nordamerika, Europa und Australien, aber es gibt immer noch Raum für die bekanntesten Routen wie die Great Divide Mountainbike-Strecke von Kanada nach Mexiko oder die North Sea Cycle Route, die der Küstenlinie von 7 Ländern in Nordeuropa folgt. Neuseeland findet ebenfalls Erwähnung, wobei hier die Aussage, die Nordinsel wäre leichter und ungefährlicher zu fahren als die Südinsel, im krassen Gegensatz steht zu Aussagen, die ich auf diversen Reiseblogs gelesen habe.

Bettlektüre

Die Geschichten am Buchende geben einige grossartige Bettlektüren ab und vermitteln bunte Momente und berührende Erlebnisse von der Strasse. Ermutigung für neue Radtouristen kommt von Tim Brewer, der eine Fahrt von England nach Australien geschafft hat. Er startete als starker Raucher, mit Übergewicht und einem Alkoholproblem. Untwegs verlor er mehr als 50 kg Gewicht.

Das Buch endet mit Fussnoten zur Fahrradwartung, wie man unterwegs mit Familie und Freunden in Kontakt bleiben kann und einem Glossar.

Das Adventure-Cycle Touring Handbook gehört zu den “haben müssen” für Reiseradler. Leider ist es zu schwer für die Packtaschen. Zudem sollte man den Inhalt kennen, bevor man sich auf den Weg macht. Zur Reisevorbereitung ist das Werk unverzichtbar. Neueinsteiger können am meisten von den Tipps und Ratschläge profitieren. Erfahrene Radreisende wissen bereits vieles. Aber auch sie finden noch Neues und das eine oder andere Aha-Erlebnis. Das Buch ist in Englisch geschrieben.

Wild, hidden oder stealth Camping

Wild Camping, hidden Camping oder stealth Camping bedeutet auf jeden Fall unsichtbares Camping und ist ein immer wieder lebhaft diskutiertes Thema in Reiseforen und unter Reisenden. Wer es schon öfters gemacht hat und sich dabei wohl fühlt, ist unbedingt dafür, wer Angst davor hat aber es versuchen möchte, sucht nach Möglichkeiten, die Gründe, die dagegen sprechen, zu widerlegen. Wie auch immer, wer ausserhalb Europas Grenzen reist, sollte auf jeden Fall wild Camping lernen. In Europa ist das natürlich auch möglich. Wegen der Bevölkerungsdichte kann es aber schwieriger sein, einen geeigneten Platz zu finden. Zudem ist es in den meisten Ländern verboten oder nicht erlaubt (feiner Unterschied bei der Bestrafung). In nordischen Ländern, Schottland und der Schweiz gibt es das Jedermannsrecht. Beachte: Wild zelten kann wohl verboten sein, ist aber nicht kriminell im Sinne des Rechts, wenn man es trotzdem tut.

Auf Radreisen durch die Welt ist der Tagesablauf unvorhersehbar. Je mehr man plant, desto eher kommt alles ganz anders. Müdigkeit, Mangel an Wasser oder Essen, schlechtes Wetter oder Gespräche mit interessanten Menschen hindern einen allzu häufig, das gesetzte Tagesziel zu erreichen. Zudem ist wild Camping ruhig, am Busen der Natur und gratis.

Wild campieren auf einem Friedhof

Wer sich nicht traut, wild zu campieren, hat meist Angst vor der Polizei, die einen mitten in der Nacht wegscheucht oder vor dem Landbesitzer, der dasselbe tun könnte. Es könnten auch Tiere den wichtigen Schlaf stören oder böse Buben mit schlechten Gedanken. Erfahrungsgemäss passiert aber nichts davon, sofern man bei der Platzwahl einige Grundsätze beachtet. Nicht vergessen sollte man auch, dass die Menschen in anderen Ländern nicht so abgeschottet leben wie wir in Europa. Vielerorts ist es nicht ungewöhnlich, dass Reisende ihr Camp in der Natur aufbauen. In einigen Ländern kann es sein, dass man euch Essen bringt oder euch für die Nacht in ein Haus einlädt, wenn ihr es nicht geschafft habt, das Lager gänzlich unbeobachtet aufzubauen.

Halte Ausschau nach einem Platz fernab von Häusern und nicht einsehbar von der Strasse. Wald, der auch auf Karten eingezeichnet ist, bietet meist ausgezeichneten Schutz. Auch die kleinen Wälle, die oft parallel zur Strasse aufgehäuft sind, bieten einen geschützten Platz, wenn es dahinter flach ist. Selbstverständlich kann man nicht einfach auf einen solchen Platz zu fahren. Meist muss man das Rad und die Ausrüstung steile Böschungen hinauf oder hinunter tragen, über Hindernisse wie Felsbrocken oder Absperrungen.

  • Wenn möglich nicht auf ausgeschildertem Privatgelände campieren. Wege nicht verstellen.
  • Ausgetrocknete Flussbetten sind absolut tabu. Es kann lebensgefährlich werden, wenn es in einer Region weit weg heftig regnet und sich das abfliessende Wasser zu einem Strom formt.
  • Plätze nahe am Wasser sind kühler und feuchter.
  • In Bärenland muss das Camp absolut sauber und frei von Essensresten sein. Gekocht wird in einem Abstand von mind. 200 m zum Schlafplatz. Essensreste und Abfälle mit einem Seil an einem Ast nicht zu nahe am Stamm mind. auf 3 m hochziehen. Ansonten helfen die wasserdichten Ortliebs, alles sauber und geruchfrei wegzupacken.
  • Kein Feuer machen oder laute Musik spielen. Wildes Camping ist leises Camping.
  • Spät ankommen und früh wegfahren sind ebenfalls Regeln, die aber recht flexibel sind.
  • Der Stolz eines jeden Wildcampers ist es, keinerlei Spuren zu hinterlassen, besonders keinen Abfall.

Wenn gar nichts mehr geht, frag jemanden nach einem geeigneten Platz. Sei aber darauf vorbereitet, dass Du dann vielleicht eine Einladung in ein Haus bekommst oder dass Du im Vorgarten quasi mit Familienanschluss übernachten darfst.

Wild zelten hat natürlich auch seine Nachteile, wobei mir da nicht so viel in den Sinn kommt und wirkliche Nachteile sind das auch nicht:

  • Da man nicht weiss, was einen erwartet, muss man damit rechnen, dass kein Wasser in Reichweite ist. Man muss also vorsorgen und Wasser bunkern. (für die körperliche Sauberkeit, Zähne putzen, Abwasch)
  • Es gibt kein Klo. Ist das wirklich ein Nachteil? Die Natur kann sauberer sein als ein WC in einem Restaurant.
  • Auch muss man genügend Essen dabei haben.
  • Der “Schutz”, den Zeltplätze bieten, gibt es nicht. Diebe haben freien Zutritt und im Notfall muss man selber die Notrufnummer kennen und vor allem Handyempfang haben. Man muss in diesem Fall auch seinen Standort kennen, damit die Helfer wissen, wo sie gebraucht werden.

Die meisten Menschen müssen wild campieren erst lernen. Wenn Du auch zu denen gehörst, lass Dir viel Zeit. Je nach Lebensalter, -erfahrung und Vorstellungskraft sind die Hürden mehr oder weniger hoch. Aber es lohnt sich, sie zu überspringen. Und noch eine letzte Weisheit: Es ist nicht bewiesen, dass Ameisen furzen, auch wenn des nachts ängstliche Ohren genau das gehört haben wollen.

Dieser Beitrag wurde inspiriert vom Reiseblog von Friedel und Andrew, Travelling Two. Dieses Pärchen ist mit dem Fahrrad um die Welt gefahren und wir durften ihre Gastgeber sein. Das Blog ist in Englisch.

Reiseinfos Schweiz

Übernachten

Die Automobilclubs ACS und TCS bieten Camping-Cards (europaweit gültig) an. Diese dienen als Ausweis bei der Anmeldung und berechtigen zu Preisermässigungen auf den entsprechenden Campingplätzen. Die Zeltplätze sind in der Regel gepflegt und ziemlich sauber.

Das Jedermannsrecht in der Schweiz ist weitestgehend unbekannt, hat aber Gültigkeit. Als Landeskenner würde ich trotzdem vorsichtig sein und wenn möglich fragen, oder mich wirklich unsichtbar machen. Aber man kann sagen, dass wild camping in der Schweiz erlaubt ist.

Auch die Mitgliedschaft bei den Jugendherbergen lockt mit einer Vergünstigung von CHF 6.- pro Person oder CHF 12.- pro Familie. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Land die Mitgliedskarte ausgestellt wurde. Normalerweise lässt man das im Heimatland machen.

Ein Bed & Breakfast Angebot ist ebenfalls vorhanden. Die Preise bewegen sich zwischen CHF 60.- bis 90.-. Ich habe noch nie eine einladende Tafel vor einem Haus gesehen und wusste nicht, dass es das in der Schweiz gibt. Erst bei Internetrecherchen bin ich darauf gestossen. Spontane Übernachtungen sind wohl eher nicht möglich. Ich denke, man muss sich da vorher im Internet informieren und eine Anfrage stellen. Das Angebot ist klein.

Das Hotelangebot ist recht gross und die Qualität meist gut. Bei den Preisvorstellungen brennt sich einem die Zahl CHF 200.- ein. Natürlich geht es auch darunter. Auf dieser Seite gibt es einen guten Überblick.

Öffentlicher Verkehr und Pässefahrten

Das öffentliche Verkehrsnetz ist ausgezeichnet ausgebaut. Deshalb müssen sich Radler nicht mit Pässefahrten abquälen. Es geht auch bequemer. Auf praktisch jeden Pass, über oder durch jeden Bergzug fährt ein Postauto oder die Bahn. Man gondelt bequem hoch und geniesst dann die Abfahrt. Wer länger in der Schweiz verweilt und den ÖV nutzen will, ist eventuell mit einem Halbtax-Abo gut bedient. Dieses Angebot ist für Schweizer. Das Abo kann am Schalter gekauft werden, wird aber dann zugeschickt an die Heimadresse, also frühzeitig bestellen. Für Gäste aus dem Ausland hält die SBB ein tolles Angebot bereit. Schau hier. Im Abopreis enthalten ist die Benutzung vieler Bergbahnen und Schiffen.

Strassennetz

Die Beschilderung der Autobahnen ist weisse Schrift auf grünem Grund. Die Benutzung ist kostenpflichtig und kostet seit 1996 CHF 40.-. Die Vignetten, die auf die Windschutzscheibe geklebt werden müssen, können an allen Poststellen, Kiosks, Tankstellen und Raststätten bezogen werden. Da werden auch Strassenkarten verkauft. Grössere Poststellen haben insbesondere ein gut sortiertes Kartenangebot auch speziell für Radfahrer.

Veloland Schweiz

Man darf das ruhig so sagen, auch wenn die Schweiz gebirgig ist. Auf der Seite von Veloland.ch findet man alles, was das Bikerherz begehrt, von Kartenmaterial über Routenvorschlägen bis Übernachtungsmöglichkeiten, die auf die Bedürfnisse reisender Radler ausgerichtet sind.

Essen und Trinken

Die Schweiz ist ein Paradies für Gourmets. Überall gibt es Cafés, Restaurants und Gasthöfe. Die Selbstversorgung lohnt sich natürlich auch. Läden gibt es in jedem Ort. Die Öffnungszeiten sind unter der Woche 09:00 Uhr bis 18:30 Uhr und Samstag von 08:00 Uhr bis 16:00 Uhr. Am billigsten kauft man bei Lidl oder Aldi ein. Danach kommen Denner, Migros und Coop. In letzerem sind Markenartikel erhältlich. Einkaufstaschen muss man selber mitbringen oder kaufen. Radfahrer können sich allenfalls in der Gemüseabteilung mit Plastiktüten eindecken. In den Einkaufswagen muss man in der Regel ein 2 Frankenstück stecken.

Was ein Gast in der Schweiz unbedingt probieren sollte: Fondue, Raclette, Zürcher Kalbsgeschnetzeltes mit Rösti, Rahmschnitzel mit Nüdeli und regionale Köstlichkeiten, Kalbsbratwurst (mit Milch hergestellt) vom Grill, Servelat an den Enden über Kreuz eingeschnitten und über dem offenen Feuer gebraten oder halt vom Grill, Tony-Joghurt Schokolade-Birne, Gruyère oder Greyerzer Käse, Basler Läckerli.





Telefon und Internet

Handyempfang gibt es praktisch überall. Mit Internetzugang sieht es etwas anders aus. Viele Hotels bieten ihn an, aber auch Campings ist es nicht sehr verbreitet.

Notrufnummern
117 Polizei
118 Feuerwehr
144 Sanität
1414 Rega

Sehenswürdigkeiten

Die Schweiz an und für sich ist schon eine Sehenswürdigkeit. Ordentlich, herausgeputzt, sauber sind die Adjektive, die mir in den Sinn kommen. Die grossen Sehenswürdigkeiten, die von den Massen besucht werden, findet man leicht im Internet. Viele Reisende sind davon enttäuscht. Ich möchte nicht sagen: “Geht nicht hin”, denn ich war ja schon da und kann gut sagen, ich würde nicht mehr hingehen. Trotzdem stelle ich hier aus Überzeugung meine eigenen Tipps vor:

Typisch Schweizerisch: Servelats bräteln am offenen Feuer

Typisch Schweizerisch: Servelats bräteln am offenen Feuer

Picknick (mit Servelats und Bratwurst) auf der Lueg. Die Garmin-Koordinaten sind N47 04.460 E7 42.311. Es führt ein kurzes, aber überaus steiles Strässchen zum Aussichtspunkt und dem Soldatendenkmal. Es gibt zwei grosse Feuerstellen und auch Feuerholz ist vorhanden (gegen ein kleines Entgeld in ein Kässeli). Von der Lueg aus gibts einen herrlichen Ausblick auf die Schweizer Alpen und das Emmental.


Schaukäserei

Schaukäserei

Schaukäserei in Affoltern im Emmental


Murten

Über den Dächern von Murten. Blick von der alten Stadtmauer.

Murten ist ein kleines, historisches Städtchen am Murtensee. Einen Teil der alten Stadtmauer kann man begehen. Die Restaurants und Läden unter Tage, zu denen man einige Stufen unter das Strassenniveau hinabsteigen muss, sind hinreissend.


Blick von der Gemmi auf die Schweizer Alpen

Blick von der Gemmi auf die Schweizer Alpen

Leukerbad im Wallis vermittelt das Berggefühl. Eine Fahrt mit der Seilbahn auf den Gemmi ist genau so eindrücklich wie auf den Pilatus, die Rigi oder sonst einen berühmten Berg, aber viel billiger. Auch von hier aus sieht man die Alpen. Eine normale Retourfahrt kostet CHF 30.-. In Leukerbad gibt es auch noch das Burgerbad, Europas grösstes Alpinbad verspricht Erholung und Badespass.


Das Centovalli ist ein Tessiner Tal. Es beginnt oberhalb von Locarno am Lago Maggiore bei Intragna und führt westwärts nach Camedo in der Gemeinde Borgnone an die schweizerisch-italienische Grenze. Am Besten nimmt man das Fahrrad in die Bahn und fährt bis an die Schweizer Grenze. Dort aussteigen und mit dem Fahrrad zurück fahren nach Locarno. Unbedingt Verpflegung und genügend Wasser mitnehmen.


Das Val Roseg im Engadin

Das Val Roseg im Engadin

Eines der schönsten Täler der Schweiz ist das Val Roseg im Engadin. Es ist ca. 10 km lang und steigt nur sanft an. Man kann es zu Fuss, mit dem Fahrrad oder per Pferdewagen entdecken. Am Talende ist ein Restaurant.


Der alte Dorfkern von Scuol

Der alte Dorfkern von Scuol

Scuol im Engadin ist eines der schönsten Dörfer der Schweiz. Die wundervoll hergerichteten Häuser mit den Scraffiti-Verzierungen machen es zu einem bewohnten Museumsdorf. Ich rede nur vom alten, unteren Dorfteil. Im oberen Teil wird gebaut, was das Zeug hält und an der Architektur scheiden sich die Geister nicht. Man ist sich einig, dass sie nicht gefällt.


Blick vom Riesenrad am Seenachtsfest auf eine der Thuner Schleusen

Blick vom Riesenrad am Seenachtsfest auf eine der Thuner Schleusen

Für mich ist Thun die schönste Stadt der Schweiz.


Land und Leute

Die Schweizer sind freundlich und hilfsbereit, aber eher zurückhaltend. Sind sie erst einmal aufgetaut, dann sind sie herzlich und geben ihr letztes Hemd, wie man so sagt. Sie sind ein Volk von Vereinen: Kegelverein, Schützenverein, Musikverein, Briefmarkenverein uvm. Besonders ältere Leute können rechthaberisch sein, schauen anderen gerne auf die Finger und scheuen sich nicht vor Zurechtweisungen. Die Schweiz ist zwar viersprachig. Das bedeutet aber nicht, dass jeder Schweizer alle diese Sprachen spricht. englisch sprechen viele, französisch wird in der Westschweiz gesprochen, italienisch im Tessin, rätoromanisch im Engadin und der Rest spricht deutsch. Dazu kommen viele regionale und örtliche Dialekte, die man meist gut versteht, ausser vielleicht das Walliserdeutsch. Die Schweizer passen sich normalerweise sofort der Sprache des Reisenden an. Dabei ist das Schweizer Hochdeutsch eine Sprache für sich. Obwohl der Akzent für viele süss klingt, bitte nicht grinsen. Das kränkt einen Schweizer, der sich ehrlich Mühe gibt, sich verständlich zu machen.



Souvenirs und Geschenke

Mitbringsel

Souvenirs sind wunderbare Erinnerungen, die einen das ganze restliche Leben begleiten können, sofern man sie damals klug ausgewählt hat. Abgesehen davon, dass Souvenirs immer praktisch sein sollten, müssen sie für Radreisende einige zusätzliche Anforderungen erfüllen. Sie sollten

  • möglichst leicht sein
  • nicht sperrig
  • nicht zerbrechlich
  • leicht zu transportieren oder nach Hause zu schicken

Man soll auch darauf achten, dass die Souvenirs wirklich aus dem besuchten Land stammen. Wobei auf Kuckucksuhren zum Beispiel gerne auch “Made in Taiwan” steht. Was kein Grund sein sollte, keine Schwarzwälder Kuckucksuhr zu kaufen ;) .

Als Souvenirs besonders geeignet sind

  • Musik-CDs
  • Kissenbezüge (für Zierkissen)
  • Stoff
  • Gewürze

Musik begleitet einen oft durch das Reiseland und man kann wunderbar in Erinnerungen schwelgen, hört man die Melodien Jahre später wieder. CDs sind leicht. Wer mit Laptop oder MP3-Player reist, kann sie gleich überspielen und die CD dann verschenken. Je nachdem, wieviel und was man kauft, kann man es auch nach Hause schicken, dann muss man es nicht mit sich herum schleppen.

Als Souvenirs ungeeignet sind

  • Waren, die nicht ins Heimatland eingeführt werden dürfen
  • Produkte von geschützten Tieren
  • örtliche Kleidung (sieht zu Hause lächerlich aus)
  • verderbliche Waren (auch Gewürze halten nicht ewig)

Hast Du noch mehr Ideen für tolle Souvenirs? Melde Dich an und schreibe einen Kommentar.

Geschenke für Kinder und Menschen unterwegs

Viele Kindern betteln um Geld. Ich weiss nicht, ob es Sinn macht, Geld zu geben, weil vielleicht die Familie darauf angewiesen ist. Auf jeden Fall haben die Kinder auch eine riesige Freude an Süssigkeiten und Kaugummis (1 Stk. pro Kind reicht). Ganz praktisch sind die kleinen Gummibärchen-Packungen. Man könnte aber auch Luftballons mitbringen, die sind leicht. Kugelschreiber, Buntstifte und kleine Notizblöcke wären auch eine Idee. Etwas schwerer im Gewicht sind bunte Murmeln. Wer etwas mehr Zeit mit den Kindern verbringen möchte, kann kleine Geduldsspiele mitbringen und den Kindern zeigen, wie man sie löst.

Zusammenfassung:

  • Geld
  • Süssigkeiten (hitzeunempfindlich)
  • Kaugummi
  • Mini-Gummibärchen-Packungen
  • Luftballons
  • Kugelschreiber
  • Buntstifte
  • Notizblöcke
  • Murmeln
  • Geduldsspiele
  • Inspiration im Spielwarenladen holen

Geschenke für Erwachsene

In vielen Ländern haben auch Erwachsene Freude an Buntstiften, Papier, kleinen Spielen, Murmeln usw. Abgesehen davon geht man zu Erwachsenen schnell eine intensivere Beziehung ein, sie werden Freunde.

Verschenke Dich als Foto

Auf einer Radreise wirst Du sehr viele Menschen treffen, die sich für Dich interessieren und Dir auf die eine oder andere Weise helfen. Bedanke Dich bei ihnen mit einem Foto von Dir, ev. mit dem vollbepackten Fahrrad. Schiesse ein tolles Foto, verkleinere es auf Postkartenformat 10 x 15 oder soweit, dass mehrere Bilder auf einer A4-Seite Platz haben. Füge einen Text hinzu (Dein Name, Mail, URL Deiner Website oder was auch immer) und lasse im nächsten Copyshop einige Karten drucken.

Erzähle in jeder Sprache von Deiner Reise

Viele Menschen werden sich für Deine Reise interessieren. Erzähle ihnen davon, auch wenn ihr verschiedene Sprachen sprecht. Organisiere eine Karte, auf der Du Deine Reise einzeichnest. Überziehe sie mit durchsichtiger Folie oder lasse sie plastifizieren, damit sie auch lange hält.

Postkarten mit eigenen Fotos

Einen persönlicheren Gruss von unterwegs gibt es nicht. Verschick’ Postkarten mit Deinen eigenen Fotos. So kommen auch Gastgeber zum Familienfoto, das Du beim Abschied geknipst hast. Auch die Schweizerische Post bietet einen Postkartenservice an.



Reiseinfos Schweden

Übernachten

Die Camping Card Scandinavia muss man unbedingt haben. Sie erleichtert das Einchecken sehr und macht es vor allem blitzschnell. Bezahlen kann man bei der Abreise.

Ebenfalls vorteilhaft ist die Mitgliedschaft beim STF (Svenska Turistföreningen = Jugendherberge), die auch in Deutschland erworben werden kann. Bei miesem Wetter sind diese Hostals oder Vandrarhems eine gute und günstige Alternative, weil man selber kochen kann.

Plumpsklo

Sauberes Plumpsklo an Rastplatz mit warmen Styroporsitz mit Deckel.

Pro Person und Nacht muss man mit 150 – 300 SEK rechnen, es gibt aber auch teurere Jugendherbergen. Nichtmitglieder werden bei jeder Übernachtung mit 50 SEK zusätzlich “bestraft”. Es ist von grossem Vorteil, wenn man selber Bettwäsche mitbringt, also ein Leintuch und je einen Überzug für die Decke und das Kopfkissen. Schlafsäcke sind aus hygienischen Gründen verboten. Mietwäsche kostet um die 75 SEK pro Person (= 8,10 €).

Wunderschön ist Wildcampieren, was in Schweden erlaubt ist. Die auf den Strassen ausgeschilderten Badeplätze eignen sich besonders gut. Das Terrain ist gepflegt, meist Rasen, es gibt eine Feuerstelle, Bänke und Tische und WC (Plumpsklo) mit Toilettenpapier. Und es gibt den See, also Wasser.

Kartenmaterial

Für Reiseradler und auch Motorradfahrer empfehle ich die Karte von Kümmerli + Frey, Nr. 1261 – 1266. Das ist Schweden in 6 Karten. Süd- und Mittelschweden sind 1 : 250’000, die beiden Nordschweden-Karten 1 : 400’000. Auf diesen Karten sind auch Camping- und Badeplätze und Jugendherbergen eingezeichnet. Von den Kleinststrassen sind die dicken roten oft geteert.

Strassenwahl

Die E-Strassen sind eigentlich Autostrassen, auf denen 110 km/h gefahren werden darf. Teilweise dürfen sie auch mit den Fahrrädern befahren werden, Spass macht das aber nicht, und man weiss auch nie genau, wo es nun erlaubt ist oder nicht. Die E-Strassen sind einstellig nummeriert und haben genug Platz für Fahrräder.

Ein silbernes Band

Ein silbernes Band

Zweistellig nummerierte Strassen sind Hauptverbindungen. Meistens in sehr gutem Zustand, oft mit einem Seitenstreifen, der eigentlich dazu gedacht ist, dass langsamere Gefährte darauf ausweichen, damit die Schnelleren überholen können. Die Distanz zu den Autos ist angenehm, der Streifen ist sauber und erlaubt die Fahrt nebeneinander. Dieser Streifen kann aber auch fehlen. Dann bleibt für Fahrräder ein Platz von ca. 30 cm rechts vom Fahrbahnrand. Die Strasse Nr. 23 zwischen Älmhult und Växjö ist super ausgebaut, ausgezeichnet geteert und mit breitem Seitenstreifen. Die Höchstgeschwindigkeit ist 90 km/h. Auf der Strasse Nr. 25 von Växjö Richtung Osten fehlt der Seitenstreifen. Die Strasse ist abwechslungsweise für 2 – 3 km einspurig und dann wieder zweispurig (damit überholt werden kann). Die Fahrbahn ist mit einem Drahtseilzaun richtungsgetrennt, was es den Fahrern von Lastwagen in den einspurigen Bereichen erschwert, Radfahrer zu überholen. Tun sie es trotzdem, wird es gefährlich.

Die dreistelligen Strassen sind meistens ebenfalls in einem ausgezeichneten Zustand und genau richtig für Radfahrer. Das sind regionale Verbindungsstrassen mit wenig Verkehr. Die von diesen Strassen abzweigenden Zubringerstrassen sind nur die ersten 50 m geteert und gehen dann über in meistens ausgezeichnet unterhaltene Naturstrassen. Auf diesen kann man praktisch abseits der Zivilisation ohne Verkehr durch Schweden fahren, zu mindest im Süden. Allerdings gibt es da keine Einkaufsmöglichkeiten.

Das Streckenprofil

Streckenprofil aus Südschweden

Streckenprofil aus Südschweden

Schweden ist nicht flach, es geht immer rauf und runter. Wir haben pro 2 km einen Anstieg von 20 bis 200 m und eine Abfahrt gezählt. Der Vorteil von Anstiegen ist der Weitblick, den man nur nach der Strampelei geniessen kann – und natürlich die Abfahrt.

Sverigeleden

Dieser hochgelobte Langstreckenradweg ist mit Vorsicht zu geniessen. Auf mehreren Streckenabschnitten kommt man in den Genuss von Steigungen von 10 % und mehr. Die Strecke ist ziemlich gut ausgeschildert. Auf dem Sverigeleden sind nicht mehr Wasserstellen, Rastplätze mit Tisch und Bank oder Einkaufsmöglichkeiten vorhanden als auf allen anderen Strassen auch. Wasserstellen sind rar. Auch wenn es an Seen in Schweden nicht mangelt, kann man durchaus mal in Wassernot kommen, denn nicht in jeder Pfütze oder in jedem Tümpel ist trinkbares Wasser. Im Sumpfgebiet, und Schweden hat viel davon, sieht man zwar das Nass, aber man kommt nicht ran.

Essen

Die Naschallee

Die Naschallee

Das Mittagessen sollte die Hauptmahlzeit des Tages sein. Man bekommt schon für 150 SEK / Pers. ein komplettes Menü mit Salat, Hauptspeise, Desserts, Getränk und Kaffee. Schweden ist ein Pizzeria und Kebab Land. Landgasthöfe gibt es nicht, immer nur dieses Schnellfutter. Übrigens kostet das gleiche Essen am Abend schnell vier Mal so viel.

In den Supermärkten ist die Gemüse- und Früchteabteilung meist winzig klein mit schlechter Qualität. Dafür ist der Fastfoodbereich riesig und die Süssigkeitenpromenade gigantisch.

Fischen/Angeln

Um fischen zu dürfen, braucht man eine Angelkarte, denn die Seen und die Tiere darin gehören jemandem. Die Besitzer pflegen ihre Gewässer und ersetzen Fische. Die Angelkarte kann man für einen Tag kaufen. Sie ist in Touristbüros, auf Campings, in Sportgeschäften und ev. an Tankstellen erhältlich und kostet ab 6 €/Tag. Fischen ohne Karte wird als Diebstahl betrachtet, wie wildern auch.

Telefon und Internet

Handyempfang gibt es praktisch überall und selbst in der wildesten Wildnis kann man seine eMails abrufen. Viele Campingplätze stellen Internetterminals zur Verfügung, in Jugendherbergen ist das etwas weniger der Fall.

Sehenswürdigkeiten

Statisten im Freilichtmuseum Jamtli

Schauspieler und ihre Familien stellen Szenen aus der Vergangenheit nach.

Fast in jedem Dorf gibt es einen Heimatverein, der ein ensprechendes Museum betreibt. So sind die Hinweisschilder “Hembygdsgård” omnipräsent. Ansonsten muss man sich im Touristbüro erkundigen. Nicht vergessen, nach den Öffnungszeiten zu fragen. Besonders nördlich von Stockholm steht man sonst schnell mal vor verschlossenen Türen.

In Museen darf man die Dinge anfassen. Ein besonderes Freilichtmuseum ist das Jamtli in Östersund. Hier können die Besucher Geschichte erleben, denn den ganzen Sommer über schlüpfen Amateurdarsteller und ihre Kinder in die Rollen der Menschen von damals und erwecken die historischen Szenerien zum Leben. Das Jamtli hat in den Sommermonaten von 11 – 17 h geöffnet, was verhältnismässig lange ist. Die Museensprache ist schwedisch.

Land und Leute

Schweden ist ein sympatisches, grosses Land mit viel Natur. Die Menschen sind zurückhaltend, aber überaus freundlich, hilfsbereit, geduldig, grosszügig und tolerant. Viele Schweden sprechen fliessend Englisch. Die schwedische Sprache ist sehr einfach. Es lohnt sich deshalb, im Vorfeld der Reise einige Wörter und Ausdrücke zu lernen. Die Einheimischen freuen sich sehr, wenn man Interesse zeigt.