Gründe Camera RAW zu verwenden – oder auch nicht

Sicher kennst Du das: Da hat man endlich das Motiv seines Lebens vor sich und entscheidet sich dank seiner Multi-Tausend-Euro-Kamera, die Serie nicht nur als JPEG sondern gleichzeitig noch als CR2 oder NEF oder wie die anderen Rohformate alle heißen zu belichten. Denn man weiss ja nie: War der Weißabgleich richtig eingestellt? War die eingestellte Schärfung ein wenig zu stark? Oder war bei der Voreinstellung “Natur” das Grün etwas zu grün? Also sicherheitshalber noch ein Rohformat dranhängen. Platz ist ja genügend vorhanden und auch der neue Grafikchip in Zusammenhang mit Leopard oder Windows 7 kann die Werke erstaunlich schnell anzeigen. Damit Photoshop dies allerdings auch kann (oder der firmeninterne Bildbrowser Bridge) sollte zumindest ein Plug-In installiert sein, welches dafür sorgt, dass die Rohformate auch angezeigt werden können. Ach, Du hast nicht die neueste Version von Adobe Bridge? Tja, dann klappt das wohl nicht. Denn die Plug-Ins für Camera RAW werden immer nur für die aktuelle Version der gerade aktuellen CS-Baureihe aktualisiert. Pech gehabt!

Aber es gibt Hoffnung: Adobe stellt einen so genannten DNG-Konverter zum kostenlosen Download zur Verfügung. Gemäss Adobe Systems Inc. soll DNG der zukünftige Standard für RAW Bilddateien werden. Leider halten sich die meisten Kamerahersteller noch nicht an die Zukunftsvisionen von Adobe und backen sich jeweils eigene Rohdatenformate, die dann mittels DNG-Konverter umgewandelt werden müssen. All dies kann uns natürlich nicht davon abhalten, den Konverter herunter zu laden und zu installieren. Kostet ja nichts.

Alles hat bis jetzt prima funktioniert und ich kann meine geknipsten CR2 oder was auch immer in DNG umwandeln. Natürlich behalte ich auch das JPEG mit einer Dateigröße von 5,16 MB. Das abgespeicherte CR2 hat immerhin fast das dreifache Volumen, nämlich 14 MB. Aber egal – die neue Festplatte mit 2 TB kann das ab. Nach der Umwandlung in ein für Adobe lesbares Format (DNG) hat sich allerdings die Größe noch einmal vervielfacht: Mein Bild zeigt jetzt eine Dateigröße von sage und schreibe 24,1 MB an. Nachdem ich alle drei behalte, man weiss ja nie, summiert sich so der Speicherbedarf auf satte 43,26 MB auf meiner Festplatte. Das ist bei einem Foto auch gar kein Problem. Was aber mache ich, wenn ich alle Urlaubsfotos als RAW geschossen habe? Kann ich natürlich löschen, wenn’s denn zu viel wird. Kein Problem!

So, jetzt können wir uns die Bilder in der Bridge ansehen. Hmmm, das JPEG scheint nicht schlecht: Der Weißabgleich stimmt, mit 4300 K lag ich genau richtig. Auch die übrigen Kameraeinstellungen mit einer leichten Schärfung waren OK und die eher neutralen Farbeistellungen waren eher von Vorteil. Jetzt öffne ich die konvertierte RAW Datei, nachdem ich auf das DNG dieselben Werte, nämlich 4300 K für den Weißabgleich angegeben habe. Uups … das Bild ist nicht nur in Sachen Weißabgleich daneben, sondern auch noch unterbelichtet. Gottlob ist es als DNG auf meiner Festplatte. So kann ich den falschen Weißabgleich und die Belichtung korrigieren. Letzteres bis zu drei Blenden, ohne dass es störend wirken würde. Dummerweise stelle ich jetzt auch noch fest, dass die Schärfe gegenüber meinem JPEG lausig ist. Das kann ich natürlich ändern, indem ich an den diversen Schiebereglern herumspiele, bis ich die gewünschten Einstellungen gefunden habe.

20 Minuten später: Es ist geschafft. Die Schwiegermutter lächelt in die Kamera und man sieht sogar die beginnende Karies zwischen dem rechten Schneidezahn und dem vor drei Jahren eingesetzten Stiftzahn. Ist da nicht noch ein kleiner Farbunter-schied?

So, es bleiben noch genau 437 Bilder meiner Ferien zu bearbeiten. Das macht nach Adam Riese 8740 Minuten Arbeit. Dafür kann ich dann aber auch alle geschossenen Fotos in Postergröße ausdrucken! Geil!

Drei Tage später: Jetzt verlangt das Fotolabor, das meine Poster druckt, JPEG und akzeptiert weder TIF noch DNG. “Damit können wir nichts anfangen – Sie verstehen”, wird mir am Telefon erklärt. Jetzt kann ich meine DNG’s also wieder in JPEG konvertieren. Rechtzeitig erinnere ich mich daran, dass ich ja auch noch alles als JPEG geknipst hatte: Belichtung OK, Schärfe ebenfalls. Alles paletti! Auf geht’s zur Bestellung.



Nun sitze ich da, warte auf meine Poster der letzten Ferien und frage mich: Warum hatte ich eigentlich eine Kamera gekauft, die auch Bilder im Rohformat schiessen kann? Einem Format, das noch nicht ausgereift ist, für das es keinen Standard gibt und das kein Anbieter verarbeiten kann? Ach ja, jetzt fällts mir wieder ein: Ohne die super Kamera hätte ich gar nicht so gute JPEGs abliefern können!

Vergleich JPEG und RAW-Format

Kameraverkauf mit böser Überraschung

Ich verkaufte meine alte Canon EOS 5D über eBay. Während der Versteigerung wurde ich nach der Anzahl Auslösungen gefragt. Bei Canon ist das eines der bestgehütetsten Geheimnisse. Die Anzahl der Auslösungen kann nur von einem Fachhändler ausgelesen werden. Das entspricht in etwa dem Kilometerstand eines Autos, der nur eine Fachwerkstatt auslesen kann. Aber egal, das ist halt so. Ich schätzte die Zahl auf 500 bis 600.

Der Käufer knipste einige Fotos und brachte die Kamera sofort für einen Service bzw. eine Kontrolle zum Fachmann. Dieser las dann 4000 Auslösungen aus. Grosser Schock beim Käufer, der sich bei mir meldete und bei mir ebenfalls. Wo kommen diese Klicks her? In mühsamer, zeitraubender Arbeit zählte ich die mit dieser Kamera geschossenen Bilder auf meinem Computer bzw. im Archiv. Ich finde knapp 1800 Bilder. Da hatte ich mich aber gewaltig verschätzt. Trotzdem ist da noch immer eine Differenz von 2000 Klicks.

Ich hatte die Kamera zusammen mit viel Zubehör vor vier Jahren bei Foto Marlin in Basel gekauft und ich erinnere mich, dass sie nicht eingepackt war. Ist es möglich, dass mir ein Fachgeschäft eine gebrauchte Kamera für den Neupreis verkauft hat?



Bildformate

Am Anfang steht ja bekanntlich das Foto. Und hier bestimmt man nicht nur welches Format (Verhältnis Länge x Breite) das Foto haben soll, sondern auch noch einige andere Sachen.

Als noch mehrheitlich Kleinbildfilm verwendet wurde hatten die einzelnen Bilder auf der Filmspule eine Größe von 24 x 36 Millimetern. Umgemünzt auf die digitale Fotografie würde man heute von Vollformat Spiegelreflex sprechen oder von einem Bildverhältnis dessen Seiten im Verhältnis 2 : 3 sind. Demzufolge sind Ausdrucke in den Größen 10 x 15 cm oder 6 x 9 cm oder auch 20 x 30 cm möglich.

Anders ist dies bei Kameras, die keinen Vollformat Sensor haben, also einen Chip der nicht das Format von 24 x 36 Millimetern hat. Er ist kleiner, was aber nicht nur Nachteile bedeutet. Man spricht auch vom 4:3 Standard.
Daraus würden Ausdrucke in Größen von 10 x 13 oder 8 x 6 oder 30 x 40 resultieren. Da Objektive mit ihrer Brennweite bei diesem Chip kleiner sein können – ein 36 mm Objektiv würde dann beim kleineren Chip eine effektive Brennweite von 57,6 mm haben, oder aber bei gleicher Brennweite weniger Linsen benötigen – spart dies nicht nur an Gewicht, sondern auch am Preis.

Eigentlich sind heutzutage aufgrund der guten Auflösung bei den meisten Digitalkameras die Bildformate eher nebensächlich. Die meisten Bilder werden ja nicht mehr ausgedruckt, sondern finden ihren Weg ins Internet, als Bildschirmhintergrund oder als Anhänge von E-Mails. Will man dennoch Papierabzüge seiner Bilder, sollte man darauf achten dem Dienstleister Dateien zu liefern, die dieser auch in der gewünschten Dimension drucken kann. Man kommt also um eine Bearbeitung des Bildmaterials nicht herum.