Adventure Cycle-Touring Handbook 2


Das neue Adventure Cycle-Touring Handbook ist da. Diese Meldung las ich auf der Homepage von Travelling Two. Letzten Mittwoch bestellte ich das Buch bei Trailblazer in England für £ 14,99 (ohne zusätzliche Lieferkosten), am Freitag lag es schon im Briefkasten. Ein toller Service.

Das Buch enthält auf über 300 Seiten Reiseratschläge, Inspiration und Geschichten. Das ist viel Stoff zum Aufsaugen. Es überrascht nicht, dass dieses Werk unter Reiseradlern zur Bike-Bibel avancierte, nachdem es erstmals 2006 publiziert worden ist.

Oberflächlich gesehen scheint der Inhalt der Gleiche zu sein wie in der ersten Ausgabe, zumindest was die Struktur betrifft. Wie auch im Vorgänger startet man mit praktischen Erwägungen wie welches Fahrrad das Richtige ist und wie man die Campingausrüstung auswählt. Teil 2 beschreibt Routen um die ganze Welt und der letzte Teil unterhält mit vergüglichen und amüsanten Geschichten von teilweise bekannten Radreisenden.

Taucht man etwas tiefer ein, entdeckt man schnell, wie viel Autor Stephen Lord und seine Schar von fast 50 Mitwirkenden zu dieser neuen Ausgabe hinzugefügt haben.

Mehr Ausrüstung und Routen

Der Abschnitt Ausrüstung ist deutlich grösser, mit mehr als 10 aktuellen Empfehlungen für geeignete und weithin verfügbaren Tourenräder. Surly‘s Long Haul Trucker (guck Dir unbedingt auch mal das Big Dummy an ;)), Thorn‘s Raven Tour und das Liegerad Street Machine von HP Velotechnik, alle werden vorgestellt. Es wird auch erklärt, wie man ein gebrauchtes Mountainbike an die Bedürfnisse eines Tourenradlers anpassen kann. Wichtige Ausrüstungsteile wie Zelte, Gepäckträger und Reifen erhalten genau so viel Aufmerksamkeit wie praktische Tipps zu Impfungen oder wie man die Reisekosten berechnet.

Ein immer währendes Thema sind die Profile von ultraleicht Reisenden und der Schwergewichtsfraktion, die mehr als nur den normalen Haushalt mit schleppt. Die Unterschiede zwischen “so viel wie nötig” und “so viel als möglich” sind faszinierend. Cameron Smith reiste mit minimalistischen 8 kg Ausrüstung während 6 Monaten durch China und Tibet. Sein Kulturbeutel enthielt nur eine Zahnbürste, Zahnpasta, Toilettenpapier und ein Handtuch. Alvaro Neil zieht es vor, 3 Kocher, 8 Ortlieb Taschen, einen extra Reifen und Essen für 1-2 Tage auf sein schwer beladenes Rad zu packen. Immerhin war er 10 Jahre unterwegs.

Als nächstes kommt das Herzstück des Buches, 144 Seiten aktualisierte und erweiterte Routenbeschreibungen. Kaum ein Teil der Welt bleibt unerwähnt. Nichts wird so ausführlich behandelt wie in einem regionalen Reiseführer. Erwarte keine Hotelempfehlungen oder detaillierte Routenbeschreibungen von Kreuzung zu Abzweigung. Aber es  gibt genügend Informationen, um Appetit auf die Straße zu machen und Deine Route zu planen, einschliesslich Hinweise auf die Landschaften, Kulturen und fremde Lebensmittel, die Du in unbekannten Teilen der Welt antreffen wirst, alle aus der Perspektive des Radlers geschrieben.

Überall eingestreut sind besondere Tipps. Du erfährst, was es mit den Zecken in Russland auf sich hat, was Dich in den Badehäusern (der billigste und interessanteste Weg für einen schmuddeligen Radfahrer, sich zu schrubben) des Nahen Ostens erwartet und welche kostenlose Camping-Möglichkeiten es in Japan gibt.

Wie es sich für ein Buch mit dem Wort “Abenteuer” im Titel gehört, liegt der Fokus auf Reisen in weniger entwickelten Ländern. Eine große Karte zeigt die wichtigsten trans-kontinentalen Strecken von Europa nach Asien. Das ist von unschätzbarem Wert, wenn Du  herauszufinden möchtest, wie Strecken wie der Karakorum Highway durch Pakistan mit Strassen weiter nördlich durch Russland und Zentralasien verbunden werden könnten.

Es gibt einen grossen Abschnitt über Tibet, einschliesslich Tipps für Reisegenehmigungen und der Beschreibung einer der härtesten Radtouren der Welt. Die Reise von Lhasa nach Kashgar führt über 31 Pässe, 9 von ihnen liegen über 5.000 Meter. Afrika bekommt auch ein bedeutendes Kapitel mit einem Streckenplan, Profilen der wichtigsten Länder, die Du vielleicht bereisen möchtest und den Antworten auf einige der häufigsten Fragen über das Radfahren dort wie Strassenzustand, Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und was Du über die Korruption dort wissen solltest.

Weniger Aufmerksamkeit bekommen besser bekannte und vertrautere Gebiete wie Nordamerika, Europa und Australien, aber es gibt immer noch Raum für die bekanntesten Routen wie die Great Divide Mountainbike-Strecke von Kanada nach Mexiko oder die North Sea Cycle Route, die der Küstenlinie von 7 Ländern in Nordeuropa folgt. Neuseeland findet ebenfalls Erwähnung, wobei hier die Aussage, die Nordinsel wäre leichter und ungefährlicher zu fahren als die Südinsel, im krassen Gegensatz steht zu Aussagen, die ich auf diversen Reiseblogs gelesen habe.

Bettlektüre

Die Geschichten am Buchende geben einige grossartige Bettlektüren ab und vermitteln bunte Momente und berührende Erlebnisse von der Strasse. Ermutigung für neue Radtouristen kommt von Tim Brewer, der eine Fahrt von England nach Australien geschafft hat. Er startete als starker Raucher, mit Übergewicht und einem Alkoholproblem. Untwegs verlor er mehr als 50 kg Gewicht.

Das Buch endet mit Fussnoten zur Fahrradwartung, wie man unterwegs mit Familie und Freunden in Kontakt bleiben kann und einem Glossar.

Das Adventure-Cycle Touring Handbook gehört zu den “haben müssen” für Reiseradler. Leider ist es zu schwer für die Packtaschen. Zudem sollte man den Inhalt kennen, bevor man sich auf den Weg macht. Zur Reisevorbereitung ist das Werk unverzichtbar. Neueinsteiger können am meisten von den Tipps und Ratschläge profitieren. Erfahrene Radreisende wissen bereits vieles. Aber auch sie finden noch Neues und das eine oder andere Aha-Erlebnis. Das Buch ist in Englisch geschrieben.

Adventure Motorcycle-Touring Handbook

Die Buchreihe gibt es auch für ambitionierte Motorradreisende.


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2 Gedanken zu “Adventure Cycle-Touring Handbook

  • Nicolas

    Hallo,
    Als unsere Tochter noch klein war, haben wir sie immer in den Anhänger gesetzt und Wochenendausflüge gemacht. Das hat sehr gut geklappt und war oft sehr schön. Im Anhänger war auch immer Platz für ein Zelt und so sind wir häufig zu umliegenden Campingplätzen gefahren.
    Für eine oder zwei Nächte ist das prima und sehr erholsam. Jetzt ist sie 7, fährt schon selbst – aber eben keine 50km. Klar steht der Spaß für die Kleine im Vordergrund, gerne würde ich aber mal wieder eine längere Tour mit der Familie machen. Weiß jemand wie das mit einem Anhängefahrrad klappt? Ist das gut? Schlecht? 50Km / Tag machbar? Danke schon mal.
    Bye, Nici

  • admin

    Das Anhängefahrrad ist eine sehr gute Sache. Je nach Kondition und Durchhaltewille Deiner Tochter könntest Du auch 50 km schaffen. Sie braucht aber mehr Pausen als Du. Vielleicht kannst Du eine Strecke mit Spielplätzen und für Kinder geeignete Sehenswürdigkeiten ausarbeiten? Vielleicht bindest Du sie gleich in die Planung mit ein? Hier findest Du Infos zum Kindertransport. Im Forum selbst gibt es sicher noch viel mehr Wissenswertes zum Thema.