Ziellos


Wir stellten heute fest, dass wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Porto schon gesehen haben, ausser die Portweinkellereien. Da die Sonntags geschlossen sind und wir gerne eine Führung machen möchten, verlängerten wir den Aufenthalt im Hotel um eine Nacht. Wir haben grosses Glück, dass wir überhaubt ein Zimmer bekommen haben, das Haus ist ausgebucht. Jetzt haben auch in Portugal die Ferien angefangen. Heute Morgen war im Frühstückssaal der Teufel los. Der grundsätzlich nervöse Chefkellner brüllte in der Küche rum und machte seine Mitarbeiter zur Schnecke. Mehrmals war von hinten Geschrei zu hören. Sehr unangenehm.

Wir waren also ziellos unterwegs, schlenderten von Café zu Café und Yves hielt Ausschau nach schönen Foto- und Filmmotiven. Wir staunten noch immer über den Verfall von Porto. An bester Lage stehen Ladenlokale und ganze Häuser leer, und zwar seit Längerem. Mitten drin stehen mit Unkraut überwucherte Ruinen, man blickt auf dutzende kaputter Dächer. Zumindest die Innenstadt gleicht einer Favela. Wir sind schockiert.

In einem Café kamen wir ins Gespräch mit der jungen Angestellten. Wir sammeln Espresso-Kaffeetassen. In diesem Café hatten sie sehr schöne Tässchen. Wir wollten eines kaufen. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir, dass die meisten Häuser alten Leuten gehören, die sich nicht mehr darum kümmern können oder wollen. Die Kellnerin bekommt nur 500 € pro Monat. Das sei ein durchschnittlicher Normallohn. Eine 1-Zimmer-Wohnung koste 400 €. Deshalb wohne sie noch bei ihrer Mutter. Ein ganzes Stadthaus würde ca. 10 Mio. € kosten, man müsse alles komplett neu bauen, da die Bausubstanz inzwischen auch marode sei. Die Amortisation würde so lange dauern, das wolle sich niemand antun. Die Alten wollen nicht und die Jungen können nicht. Die Kaffeetasse schenkte sie uns, da sie nicht verkäuflich sind.

Bild 1: Ausblick aus dem Hotelfenster Bild 2: Leeres, verfallendes Haus an der Prachtsstrasse Avenida Dos Aliados.

   

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