Porto am Samstag


Die Nacht war nicht so erholsam wie im Zelt, vielleicht fehlte die frische Luft. Im Laufe des Tages werden wir ein anderes Zimmer bekommen. Gestern kam noch ein “Techniker”. Er entfernte eine tennisballgrosse Haarkugel aus dem Abfluss der Dusche. Das Wasser floss trotzdem nicht ab. Die Schrauben des Duschsitzes für Behinderte zog er einfach so fest an, dass man den Sitz auch von Hand kaum mehr bewegen kann.

Wir entdeckten heute Porto. Obwohl wir vor dem chaotischen Verkehr gewarnt worden sind, war die Einfahrt in die Stadt problemlos. Es gibt hier viele geschlossene Häuserzeilen, jedes Haus in einer anderen Farbe verputzt oder gekachelt und mit winzigen Balkons mit filigranen Eisengeländern. Auch hier sieht alles schmutzig aus. Aber die Menschen sind alle sehr freundlich und hilfsbereit. Die Leute, die im ÖV arbeiten, sind besonders nett und geduldig, während die Menschen, die in Kirchen die kostenpflichtigen Bereiche bewachen und vor Zechprellern schützen, besonders unfreundlich sind.

Als Erstes fanden wir ganz zufällig einen Canon-Techniker, der unsere Kamera flicken konnte. Seit einigen Tagen liess sich der integrierte Blitz nicht mehr hochklappen. Es schien, dass der Blitzschuh beschädigt ist und die Kamera nicht mehr erkennt, dass der externe Blitz entfernt worden ist. Während meine bessere Hälfte den höchsten Kirchturm Portugals bestieg, sass ich in der kühlen Kirche und schrieb Tagebuch.

Dann wanderten, schlenderten, schlurften… ok, schleppten wir unsere schmerzenden Glieder treppauf, Strasse runter kreuz und quer bergauf, bergab durch Porto. Die Fahrt mit dem Tram Nr. 1 entlang des Flusses Douro war ein weiteres Highlight und ein Fenster in die Vergangenheit. Die Fahrzeuge sind um die 100 Jahre alt und original, nicht renoviert, nur in Betrieb gehalten.

Nachdem wir die schöne Stimmung bei den Restautants am Flussufer genossen hatten, fuhren wir mit der Standseilbahn wieder in den oberen Teil der Stadt. Nach einer weiteren Kirchenbesichtigung und einer kurzen Rast in einem Strassencafé, auf Tuchfühlung mit Einheimischen, strichen wir die Segel und steuerten unser Hotel an.

Das neue Zimmer liegt genau über dem alten, ist also genau so geräumig, hat aber ein grösseres Bett und ein kleineres Bad. Alles bestens. Ich genoss dann ein kühles Bier an der Bar, während Yves in der Fussgängerzone einen kleinen Film drehte und das kommerzielle Leben einfing.

Seit der Lebensmittelvergiftung in Granada esse ich mengenmässig viel weniger als vorher und ich mag keine Donuts mehr, die ich bis dahin so liebte. Fleisch habe ich seither auch nicht mehr gegessen. Mal schauen, wie sich das weiter entwickelt. Für heute Abend haben wir am Ufer ein kleines Restaurant mit Tripadvisor-Empfehlung gefunden, das Vinhas D’Alho.

   

Schreibe einen Kommentar