Geführte Motorradreise durch Marokko 2010 1


Die Aufarbeitung der Marokko-Reise besteht aus drei Teilen auf dieser Seite: Es gibt das Foto-Tagebuch, dann das Text-Tagebuch und am Schluss noch den GPS-Track zum downloaden. Diese Seite richtet sich vor allem an künftige Reiseteilnehmer, damit sie nicht mit falschen Vorstellungen starten.

Foto-Tagebuch

Hier gibt es die Bilder. Sie sind für das Internet aufbereitet. Viele davon eignen sich hervorragend als Bildschirmhintergrund. Bei Interesse bitte Mail an webmaster@bikeaway.info. Ich schicke dann das Originalbild.

Text-Tagebuch

Tagebuch von Ingrid (ausser entsprechend bezeichnete Abschnitte, die Yves geschrieben hat)

In den Startlöchern

Freitag, 09. April 2010

Wir haben fertig gepackt und unsere Motorräder stehen geputzt und gewartet vor dem Haus. Morgen geht es los auf eine geführte Motorradreise nach Marokko. Da wir bereits voraus gefahren sind, haben wir unseren ersten Treffpunkt in Calella. Ich bin gespannt, ob ich mit einer Gruppenreise klar komme. Für mich ist es das erste Mal. Bis jetzt habe ich meine Reisen immer selber organisiert und konnte terminfrei unterwegs sein. Termine im Urlaub stressen mich. In der Gruppe zu reisen bedeutet, am Morgen pünktlich abfahrbereit zu sein. Und wenn ich nochmals auf die Toilette muss? Auch kann ich nicht Pause machen, wann ich oder mein Rücken es wollen. Ich kann auch nicht mein Zelt hinter dem nächsten Busch aufstellen, wenn ich müde bin. Das gebuchte Hotel muss schon erreicht werden. Ich bemühe mich um eine positive Einstellung.

Yves: Diese Reiseidee hatte ich während der Wintermonate ausgebrütet. Man sitzt an der Wärme, schaut hinaus auf die verschneite Landschaft und träumt von Sonnenschein und Reisen in exotische Länder. Nachdem wir nie (speziell Ingrid) mit den Motorrädern auf eigene Faust nach Marokko fahren würden, bot sich das Angebot der Firma «Reisen & Erleben» aus St. Wendel an. Für den wirklich günstigen Preis von 2738.- EUR wurde alles gebucht: Fährpassagen, Hotels mit Halbpension sowie Bustransfers wohin auch immer. Dass der Preis für 2 Personen im Doppelzimmer gilt, hatte dann auch Ingrid überzeugt.

Das Wetter wird gut. Es ist Sonne angesagt und ich fahre in Sommerklamotten. Das ist eine ganz luftige Sommerjacke von Held und ebensolche Hosen. Mir ist immer sehr heiss auf meiner BMW 1200 RT, da ich hinter der Scheibe und den integrierten Rückspiegeln keinen Luftzug abbekomme. Deshalb habe ich eine helle Jacke und auch helle, ganz dünne Handschuhe gekauft.

Normalerweise reisen wir mit Zelt und Kocher und allem Drum und Dran. Nun ist das Gepäck ohne Zelt und den ganzen Haushalt recht übersichtlich. 2 Hosen, 2 T-Shirts, 2 warme Pullover, Pijama, Socken und Unterwäsche und eine Jacke. Alles Materialien, die ich unterwegs von Hand waschen kann und die schnell trocknen. Dazu habe ich noch eine Bluse eingepackt. Marokko ist ja ein arabisches Land und eigentlich sollte Frau ihren Körper bedecken. Je nachdem, wieviel nackte Haut ich dort sehe, werde ich mich ebenfalls bedecken und die langärmlige Bluse anziehen. Die ist luftig genug.  Ich weiss gar nicht, ob Frauen im Islam nackte Füsse zeigen dürfen, also Sandalen tragen. Ich habe auf jeden Fall Sandalen dabei. Notfalls trage ich halt kurze Socken. Auf Anraten der Reiseleitung befinden sich im Gepäck ebenfalls zwei Spanngurte und vier weiche Schlingen. Dieses Material ist sehr schwer, nämlich knapp über 3 kg. Später wird sich herausstellen, dass wir Spanngurte und Schlingen getrost hätten zu Hause lassen können. Dann ist noch das Regenzeug dabei, eine Leuchtweste, Erste-Hilfe-Set, Medikamente und sehr bequeme Schuhe, nämlich Crocks für den Aufenthalt im Hotel. Auch das Laptop mit diversen Ladegeräten ist dabei. Das trage ich immer im Rucksack, der somit auch auf 3,1 kg kommt.

Vielleicht sollte ich noch etwas zu meinen Ängsten sagen? Ich habe Angst vor dem Verladen der Motorräder auf die Fähre in Barcelona. Einen Schaden würde ich nur schwer verkraften. Und wenn man in der Gruppe reist, hat man am Reiseziel ja auch nicht die Zeit, Haftungsansprüche zu stellen. Ich weiss nicht, was ich dann machen müsste. Reparaturen werden auch nicht so einfach sein, denke ich. Zum Glück spreche ich fliessend französisch, wenn nötig mit fast demselben Akzent wie die Marokkaner, wenn ich meine deutschschweizer Wurzeln nicht verberge. Zumindest wird es keine Sprachbarriere geben, zumal auch meine Arabischkenntnisse ausreichen, jemanden um Hilfe zu bitten. Eine weitere Frage: Werde ich meinen Kaffeebedarf decken können? Wie stelle ich es an, unbekannte lokale Speisen zu probieren, ohne krank zu werden? Und wieso muss ich genau jetzt eine Fieberblase bekommen?

Anfahrt nach Calella

Samstag, 10. April 2010

Wir sind schon um 9.00 Uhr weggefahren. Bei 10° fuhren wir auf der A75 bis nach Beziers und dann auf der Nationalstrasse, wir hatten ja genügend Zeit. Die französischen Autofahrer weichen auf der Hauptstrasse oft ganz nach rechts aus, damit man überholen kann. So zwingen sie einen manchmal richtiggehend zu einem Überholmanöver. Da darf man keine Skrupel haben. Zweimal haben wir bei McDonald’s angehalten. Das erste Mal kehrten wir nach der Umfahrung von Beziers ein und ich verdrückte gleich einen Royal Deluxe. Um Kalorien zu sparen trank ich anstelle einer Cola nur ein Wasser. Der Kaffee war herrlich. Die zweite Pause muss irgendwo bei Perpignan gewesen sein. Da gabs dann Kaffee und ein Eis mit Caramel. Die Fahrt selbst war unspektakulär. Ab Beziers wurde es immer wärmer und 50 km vor Callela war Ausziehen angesagt. Die langen Unterhosen, der Winterpulli und die Handschuhe landeten in den Taschen und die neuen Sommerhandschuhe sahen das erste Licht der Reise.

Das Hotel Ameika in Calella war schnell gefunden, obwohl uns das GPS von der falschen Seite anfahren liess. Aber von einer Einbahnstrasse lassen wir uns nicht aufhalten. Das Hotel hat eine ganze Strassenseite für Motorräder freigehalten, schliesslich werden 86 Maschinen erwartet. Wir waren viel zu früh (16 Uhr), sodass wir bereits unser Zimmer beziehen und duschen konnten. Das Zimmer hatte zwei grosse, zusammengestellte Betten, genügend Platz und eine Badewanne und eine sehr kleine Dusche und ein Bidet. An der Rezeption wurden unsere Pässe einbehalten, was wir gar nicht schätzen, schliesslich ist das ein persönlicher Ausweis.

Nach der Dusche zogen wir gleich los, um Sonnencreme zu kaufen, die wir vergessen hatten einzupacken. In einem kleinen Mercado wollte die indische Verkäuferin 12 Euro, was wir als viel zu teuer empfanden. Schockiert wollten wir die Flasche Bébé Nivea Faktor 50 wieder zurück stellen. Da offerierte sie 10 Euro, worauf wir 8 Euro boten. Wir waren sofort begeistert bei der Sache und hätten überhaupt nicht erwartet, dass man handeln kann. Das ist eine gute Vorbereitung für Marokko, denke ich. Wir bekamen schliesslich die Creme für 8 Euro. Ich finde es nicht schlecht, wenn wir mit unseren mageren Spanischkenntnissen den Preis um einen Drittel drücken können.

Um 17.00 Uhr sassen wir am Strand bei einem Glas Cerveza für 2,50. Danach war eine Internetverbindung gefragt. Und wo gibts die fast immer? Genau, bei McDonald’s. Dann war es an der Zeit nachzusehen, ob die Reisegruppe endlich angekommen ist. Es war fast 19 Uhr, als wir endlich den Begleitbus sahen und die vielen Motorradfahrer. Schnell entdeckten wir die Guides, leicht zu erkennen an den Leuchtwesten mit dem Aufdruck “Guide”. Wir sprachen einen an. Es war Jürgen, der Vater von Nadja. Er sagte uns, dass alles, was wir wissen müssen, auf der Infotafel im Foyer stehen würde und dass Nadja, unser Guide, noch nicht da sei. Auf der Tafel stand, dass es ab 19.30 Uhr Abendessen gibt und dass wir am nächsten Tag um 9 Uhr wegfahren würden zur Fähre in Barcelona. Wir standen auch da, verloren und enttäuscht. Wir hätten gerne gewusst, wie die Reise im Detail ablaufen soll. An den Motorrädern waren farbige Bänder angebracht. Wozu? Gibt es Regeln? Wie findet man zu den Hotels? wie läuft die Verladung? Wir wussten gar nichts ausser, dass wir offenbar zu dieser Reisegruppe gehörten.

Als wir um 19.30 Uhr in den Speisesaal kamen, war das Essen schon in vollem Gang. Das Buffet war schon um 19.00 Uhr eröffnet worden. Wir bestellten zwei Mineralwasser und realisierten erst später, dass Wein und grosse Wasserflaschen kostenlos bereit standen. Das Tischtuch war extrem fusselig und diese Fusseln gingen mit unseren Pullovern und Hosen eine innige Verbindung ein. Um kurz vor 21.00 Uhr fehlte uns noch immer ein Briefing. Niemand hiess uns willkommen, wir sassen alleine an einem Tisch, bis Yves sich nach dem Essen aufmachte, um am Nebentisch, wo offensichtlich die Guides sassen, einige Informationen einzufordern. Er stellte sich vor, sagte, dass wir erst heute dazugestossen wären und wollte wissen, wie der Ablauf ist, was man so alles wissen sollte und so weiter. Niemand war bereit, irgendetwas zu erzählen und der Kommentar von Nadjas Freund: «Wir hatten gestern schon Briefing in Lyon» war nicht gerade das, was Yves erwartet hatte. Nun denn. Er verabredete sich mit dem Senior des Reiseunternehmens für 21.00 Uhr in die Lobby betreffend Reiseinformationen. Jürgen war dann auch pünktlich am Treffpunkt. Nun wussten wir alles, was wichtig ist und fühlten uns auch willkommen.

Danach lernten wir endlich auch Ottmar und Jutta kennen. Er hat mir über einen gemeinsamen Freund aus dem Navi-Forum eine Marokko-Karte mitgebracht. Wir verstanden uns sofort mit den beiden. Da waren viele Gemeinsamkeiten. Wir lernten auch Reinard (nein, das ist kein Schreibfehler) und Heike kennen und verbrachten zu sechst einen schönen Abend beim Fachsimpeln bei den Motorrädern draussen und nachher beim Bier an der Bar. Erst um halb vor Mitternacht gehen wir wieder ins Zimmer. Draussen kracht ab und zu ein Böller und es gibt einigen Lärm, denn ein wichtiges Fussballspiel wurde ausgetragen: Barcelona – Madrid. Uns wurde zwar versprochen, dass die Strasse vor dem Hotel abgesperrt würde, damit unsere Motorräder sicher sind, aber das stimmte nicht. Auch aus Sorge um unsere Maschinen konnten wir lange nicht schlafen. Yves entschlummerte erst um 3.00 Uhr und ich wachte dafür um 5.00 Uhr auf und konnte beim besten Willen nicht mehr einschlafen. Dabei war das Zimmer in Ordnung und die Matratzen eigentlich auch.

Der Reiseveranstalter hatte schon in den ersten zwei Tagen mit einigen Problemen zu kämpfen. Einer Sozia wurde gestern sehr schlecht vom Beifahren, sodass das Pärchen unterwegs in einem Hotel absteigen musste. Ob sie heute weiterfahren können, entscheidet sich in den nächsten Stunden. Am ersten Tag gab es auch einen schweren Unfall. Ausgerechnet Ottmar und Jutta waren dabei, als ein RT-Fahrer beim Überholen auf dem Kiesstreifen in der Strassenmitte ins Straucheln geriet und sich danach mehrmals überschlug. Nun lag er mit mehreren Rippenbrüchen in einem französischen Spital.

Einschecken auf der Fähre

Sonntag, 11.April 2010

Fast pünktlich kurz nach 9.00 Uhr waren alle Motorräder bereit und die einzelnen Gruppen fuhren weg. Schon gestern hatten wir zusammen mit Ottmar und Jutta eine Fahrgemeinschaft gebildet. Die beiden Männer möchten viel fotografieren. Für die Fahrt zur Fähre in Barcelona hatten wir uns von der Gruppe abgemeldet. Wir fuhren auf der Hauptstrasse und trafen vor dem Terminal wieder auf unsere «rote» Gruppe. Dann begann das Warten. Wir konnten die Motorräder vor dem Terminal abstellen. Einige blieben in der Nähe. Wir vier spazierten die Ramblas hoch, kamen aber nicht weit. Da unsere Reiseleitung alle Teilnehmer gewarnt hatte, dass das Essen auf der Fähre nicht geniessbar sein könnte und man tunlichst selbst für seine Nahrung sorgen solle, kauften wir uns eine Notverpflegung bestehend aus einem Apfel und zwei Sandwiches. Die Zeit verging viel zu schnell und wir mussten umkehren, damit wir um 12.00 Uhr wieder zurück waren. Um 13.00 Uhr konnten wir endlich verladen. Wir mussten die Motorräder zu fünft in einer Reihe dicht an dicht aufstellen. Das war ein Motorrad pro Reihe zu viel. Je nachdem, wie sich der Nachbar aufgestellt hatte, kam man kaum zu den Seitenkoffern und es war auch schwierig, sich zwischen den Maschinen hindurch zum Ausgang zu zwängen. Um die Verzurrung kümmerte sich die Crew der Fähre, was einigen von uns gar nicht gefiel. Schliesslich riskieren wir Lackschäden und müssten die wohl selber bezahlen.

Wir gingen hoch und traffen uns erst Mal im hinteren Teil des Selfservice-Restaurants, wo es Instruktionen zur Einreise in Marokko gab. Der Raum war dunkel und es fiel uns schwer, die auszufüllenden Formulare zu entziffern. Dann bekamen wir die Schlüssel ausgeteilt und konnten die Kabinen beziehen. Unser Wohnraum auf Zeit war klein aber fein und sauber. Alles passte. Die restliche Zeit bis zum Abendessen um 19.00 Uhr verbrachten wir mit der Entdeckung des Schiffes und interessanten Gesprächen. Diesmal mit dabei waren nebst Ottmar, Jutta, Reinard und Heike auch Karl und Susanne aus Wien. Ein Fläschchen Bier kostete 4,50 Euro, ein leckerer Kaffee 1,20 Euro. Das Abendessen-Buffet war äusserst schmackhaft. Bis um halb zehn sassen wir acht zusammen und plauderten. Es war richtig lustig. Noch lustiger wurde es, als der Wein alle war und Karl zum zweiten Mal versuchte, sich am Buffet einige Miniflaschen zu ergattern. Aber die Warteschlange war zu lange und er wollte verständlicherweise nicht 20 Minuten anstehen, um Wein zu holen. Ich hatte eine Idee. Kurzerhand behauptete ich, dass Yves innert kürzester Zeit Wein organisieren könne, worauf sich alle Augen auf ihn richteten.

Yves: Da sass ich nun, die Erwartungen unserer Gruppe waren schon fast physisch spürbar. Karl streckte mir grinsend 20 Euro entgegen und sagte: «Viel Glück». Was blieb mir anderes übrig? Ich steuerte die Kasse der Essensausgabe an und erblickte den italienischen Pfau. Der Purser (Zahlmeister) war ein Macho erster Güte. Er kümmerte sich anfangs um unsere Reisegruppe und behandelte Nadja ohne jeden Respekt, deswegen ist er uns aufgefallen. Den ersten Kontakt hatte ich mit ihm, als er beim Mittagsessen sass und ich ihn fragte, ob er wohl so nett sein würde, für ein Foto zu posieren, denn schliesslich sei er ja hier der Kapitän. Mit einem breiten Grinsen willigte er ein und ich schoss mein Foto. Jetzt erblicke ich ihn wieder, als er geschäftig zwischen Kasse und Tresen hin und her rannte. Als ich ihm zuwinkte, erkannte er mich und kam gleich auf mich zu. In gebrochenem Italienisch fragte ich ihn, ob er mir nicht 4 Fläschchen Rotwein besorgen könnte. «Ehh, claro amigo», grinste er mich an und kam kurz darauf mit dem gewünschten Saft. ich bezahlte und kehrte zu unserer Gruppe zurück, wo ich mit ungläubigem Staunen und Beifall empfangen wurde, zumal ich mit leeren Händen kam, aber in Begleitung des Pfaus, der es sich nicht nehmen liess, uns den Wein zu servieren.

Am Nachmittag lernten wir auch noch Solothurner kennen, Max und Christine. Die beiden hatten Pech. Ihre grüne Versicherungskarte ist für Marokko nicht gültig. Aber sie sind in bester Gesellschaft und Nadja hat auch für dieses Problem eine Lösung. Im Schiff war es richtig heiss. In der Kabine waren die Temperatur aber in Ordnung. Um 22:40 Uhr und waren wir schon geduscht und bettfertig.

Überfahrt nach Tanger

Montag, 12.April 2010

Wir hatten sehr gut geschlafen, wenn auch nicht lange. Um 06.45 Uhr klopfte es nachhaltig an unsere Türe, bis wir «Ruhe» riefen. Aber da war es schon zu spät und wir konnten nicht mehr weiter schlafen. Das Frühstück war etwas mager. Alles, was unserer Meinung nach zu einem Frühstück gehört, musste extra bezahlt werden: Aufschnitt, Joghurt und Käse kosteten extra. Dann war die Butter ranzig. Auf dem Schiff war es generell sehr heiss und offenbar gab es ein Problem mit der Kühlung der Lebensmittel. Ich erwischte auch ein Stück Käse, das bereits grau war. Das Mittagessen war dann wieder ausgezeichnet.

Die Zeit verging wie im Flug. Eine Plauderei in der Lounge, Luft schnappen an Deck, in die Kabine zum Duschen und dann Sammlung im Restaurant zum Warten auf die Ausfahrt. Diese gestaltete sich recht unkompliziert. Die Gurte waren schnell gelöst und bis auf eine Ausnahme haben alle die Gurte links und rechts an die Wand geschmissen. Ausgerechnet vor dem Motorrad von Susanne lag ein Gurt im Weg. Sie hat ihn nicht gesehen und hat dann das Motorrad sachte hingelegt. Kein Schaden. Beim Zoll fing dann die grosse Warterei an. Es dauerte tatsächlich über drei Stunden, bis wir endlich zum Hotel fahren konnten. Die Warterei war echt anstrengend, aber doch irgendwie kurzweilig. Die Fahrt im Konvoi mit Polizeibegleitung zum Hotel war mühsam. Wir mussten mit kurzem Abstand fahren, damit sich kein Auto dazwischen drängen konnte. Man musste aufpassen wie sonst was und es gab sogar einen kleinen Verfahrer. Das Einchecken im Hotel ging aber sensationell schnell. Fix waren alle geduscht und sassen schon am Tisch. Ich entdeckte eine gratis WLAN-Ecke, konnte aber leider keine Verbindung herstellen, «Eingeschränkte Konnektion». Keine Ahnung, was das bedeutet und vor allem nicht, wie ich das Problem beheben könnte. Alle sind müde vom vielen Warten. Um 22.00 Uhr verziehen sich alle.

Tanger – Meknes, 297 km

Dienstag, 13. April 2010

Wir hatten super gut geschlafen und waren vor halb acht beim Frühstück. Ich ass meine geliebten Spiegeleier, vier Stück, etwas Käse und eine Zimtschnecke, dazu eine Tasse Kaffee und schon waren wir bereit für unseren Konvoi mit Polizeieskorte aus der Stadt. In der Nacht hatte es geregnet und durch Zufall stand mein Motorrad unter dem Dach. Auf dem kiesigen Boden hat mir dann aber Karl das Motorrad rückwärts in die Abfahrtsaufstellung geschoben. Die Fahrt aus der Stadt war nicht unangenehm. Es gab viel weniger Verkehr als gestern Abend. Trotzdem musste man sich sehr konzentrieren. Dann machten wir 6, die wir eine Fahrgemeinschaft bilden, ein kurzes Briefing und schon waren wir unterwegs ins Unbekannte. Die Strassen waren recht gut, aber ab und an gab es ein tiefes Schlagloch oder heftige Unebenheiten, selten auch mal Verschmutzungen oder es fehlte der Teer. Für den ersten Kaffee in einer Bar bezahlten wir 10 Dirham, beim zweiten Mal 5 Dirham und beim dritten Mal 6 Dirham. (1 EUR = 11 MAD). Zum Mittagessen haben wir an der Strasse angehalten. Da gab es drei Grills. Wir wählten den Mittleren, weil wir unsere Motorräder davor abgestellt hatten und bestellten Tajines. War nicht schlecht. Die italienische Toilette stellte uns auch nicht vor grosse Probleme. Aber sauber ist anders, nicht nur auf dem WC, sondern auch im Restaurant, Teller und Besteck waren nicht sauber. Aber was solls. Am Schluss des letzten Reiseabschnittes verrechneten wir uns ganz gewaltig mit der Zeit. 50 km vor dem Ziel stellten wir fest, dass wir schon am Treffpunkt sein sollten. Zudem war die Strasse gesperrt und wir mussten einen Umweg fahren. Also schrieben wir Nadja eine SMS und fuhren direkt ins Hotel. Der Weg durch Meknes war sehr anstrengend. Wir waren ja nur zu sechst und mussten auf uns selber acht geben. Karl machte das Schlusslicht und sicherte uns nach hinten. Das Abendessen im Hotel war wieder lecker und wir unterhielten uns blendend. Um 22.30 Uhr machten wir uns auf den Weg ins Bett, denn am nächsten Tag mussten wir schon um 6.00 Uhr aufstehen. Wir hatten 473 km vor uns und um 17.00 Uhr würde der Bus zur Stadtbesichtigung in Marrakesh wegfahren. Die Planung finde ich jetzt nicht so toll, aber ich kann nichts machen. Überhaupt finde ich nicht, dass wir vom Veranstalter gut begleitet werden. Ich würde das mal nicht ‘geführte’ Reise nennen sondern einfach ‘organisierte’ Reise. Es fehlen viele Infos, die wir uns selbst zusammen suchen müssen:

  • Wie schnell darf man wo fahren?
  • Wieviel kostet ein Kaffee, Tee, Orangensaft?
  • Wo gibt es Sehenswürdigkeiten?
  • Auch dass es täglich einen Weckruf gibt, hätte ich gerne vorher gewusst.

Meknes – Marrakesch, 475 km

Mittwoch, 14.April 2010

Heute mussten wir eine Mordsstrecke fahren, nämlich 475 km. Der Anfang war recht schön. Wir fuhren auf ein Hochplateau und hatten eine wunderbare Sicht in oder auf die grünen Berge. Leider war keine Zeit zum Verweilen und Geniessen. Nach einem Kaffeehalt um 11.00 Uhr hielten wir um 13.00 Uhr zum Essen. Ich wählte Koteletts. Die waren zäh. Alle anderen assen Spiesse, die waren besser. Leider bestellten wir für jeden etwas zu Essen und wunderten uns dann, dass die Rechnung doppelt so hoch war wie gestern, wo wir für je ein Paar ein Essen bestellten.

Bis dahin war die Strecke ziemlich schlecht. Immer wieder musste Ottmar vor grossen Schlaglöchern warnen. Wir konnten nicht sehr schnell fahren, so um die 90 km/h. Praktisch war, dass wir und Ottmar und Jutta Funkanlagen eingebaut hatten. So konnten wir während der Fahrt miteinander sprechen.

Die Fahrt wollte nicht enden und zu guter Letzt fing es noch an zu regnen. Wir zogen alle die Regenkleider an. Es windete stark und der Sand stob durch die Luft. Wir waren wieder viel zu spät und fanden auch den Treffpunkt nicht. Das Hotel hingegen fanden wir ziemlich gut, aber die Städte sind schon stressig zu fahren. Für mich liegt das aber nicht an der Stadt, sondern an der Gruppe. Alleine oder zu zweit wäre es viel einfacher.

Die Busfahrt auf den Markt wurde von 17.00 Uhr auf 18.00 Uhr verschoben.  Zum Glück, denn wir sind ja auch erst nach 17 Uhr im Hotel angekommen. Auch heisst die Fahrt jetzt nicht mehr «Stadbesichtigung», sondern einfach nur «Busfahrt» Der Markt war höllisch laut und teuer. Wir kauften keine Souvenirs, weil wir keinen Spass an Touristenfallen haben. Hier wäre aber die einzige Möglichkeit gewesen, um Andenken zu kaufen. Das wussten wir nicht. Unterwegs findet man kaum etwas und die Zeit ist auch zu knapp. Und durch die Medina in Fes sind wir praktisch im Laufschritt gerannt (dazu später mehr).

Marrakesch – Boumalne, 348 km

Donnerstag, 15.4.2010

Nach der Wegfahrt im Konvoi ging die Fahrt durch das Atlasgebirge, über den Tichka-Pass (2263 m). Zuerst aber fuhren wir an die Tankstelle, denn Nadja warnte, es gäbe dann nicht mehr viele Tankstellen, was aber nicht stimmte. Bis zum Anfang der Bergstrecke gab es mehr Tankstellen als je zuvor. Die Fahrt war schön, obgleich die Strasse oft verschmutzt war. Es gab auch nicht viel Verkehr. Ottmar und Yves machten viele Fotostopps, während Jutta und ich langsam weiter fuhren. Nach dem Besuch des Weltkulturerbes irgendwo 10 km abseits der Hauptstrecke hatte Yves nach der Holzbrücke einen platten Hinterreifen. Schnell war Nadja informiert und versprach zu kommen. Eine halbe Stunde später war sie da und flickte den Reifen. Das erste Loch war eigentlich keines, aber das zweite war dann das Richtige. Der Schaden war in einer Profilrille, die erst noch auf der Schattenseite lag und deshalb unmöglich zu entdecken war. Das Ganze dauerte 1,5 Stunden, die auch Nadjas Gruppe abwarten musste. Nachher war die Fahrt super toll und wir machten trotz der Verspätung noch viele Fotos. Unter anderem sah ich einen Mann, der seinen Esel malträtierte und wir sahen Kühe im oberen Stock eines Transporters. Das Mittagessen liessen wir aus zeitlichlichen Gründen ausfallen. Zu einem Kaffee assen wir die Trockenfrüchte und Nüsse, die wir gestern für 230 Dirham auf dem Markt in Marrakech gekauft hatten. Das hat eigentlich allen gereicht.

Das Hotel Kasbah Xaluca Dades in Boumalne war für uns das schönste Hotel der Reise. Wie immer hatten wir aber keine Zeit, es zu besichtigen. Ich weiss nicht mal, wo der Pool ist. Ausser Lobby, Zimmer und Esssaal sehen wir meistens nichts. Hier aber wurde uns gesagt, seien alle mit Tee und Musik willkommen geheissen worden. Wir natürlich nicht, wir waren wieder mal viel zu spät, diesmal wegen dem platten Reifen. Aber die Mitarbeiter waren ausgesprochen freundlich und hilfsbereit, wir mussten nicht mal unser Gepäck schleppen. Die Zimmer waren sauber und die Betten gut.

Boumalne – Arfoud, 288 km

Freitag, 16.4.2010

Man kommt zu nichts. Das Programm ist einfach zu eng, als dass noch Zeit für persönliche Dinge bleiben würde. Selbst das Tagebuch kommt zu kurz. Da wären so viele Gedanken, die aufgeschrieben werden möchten. Aber ich komme nicht dazu. Wir sind heute zuerst ins Dades-Tal gefahren. Das war wirklich ganz toll. Da gab es runde, geschwungene Felsformationen und später, nach einigen Spitzkehren ganz hinten in der Schlucht, hatten wir eine tolle Aussicht. Danach fuhren wir zurück und bogen 50 km weiter auf der Hauptstrasse in die Todgha-Schlucht. Da war die Strasse sauschlecht. Deshalb hielten wir bei der ersten Gelegenheit. Das war genau bevor die Baustelle an der engsten Stelle der Schlucht anfing. Wir bestellten vier Kaffees. Die hätten 40 Dirham gekostet. Aber ich diskutierte etwas und bekam sie dann für 30. Nicht schlecht. Jutta und Ottmar sind dann noch weiter gefahren, weil Ottmar unbedingt hin wollte. Die Toilette hinter dem Haus war erstaunlich sauber. Auf dem Spazierweg in die Schlucht bzw. zur Baustelle wollte Yves noch Schlappen kaufen, so genannte «Babouches», aber seine Grösse gab es nicht. Dann fotografierte er auf der Baustelle und ein Arbeiter wollte unbedingt 10 MAD, die ihm Yves natürlich nicht geben wollte. Sie stritten etwas und wir hatten schon Angst, der Typ käme zu uns und würde uns verhauen, vielleicht sogar noch mit Rückendeckung seiner Kollegen. Deshalb offerierte ihm Yves 1 MAD, die der Arbeiter ablehnte. Das sei nichts, meinte er. Da fragte Yves einen anderen Arbeiter, ob er 1 MAD wollte. Dieser wollte und Yves warf ihm das Geld zu, bestimmt auf 20 Meter und der andere fing auf. Dieses Tal hätten wir uns auf jeden Fall sparen können, darin sind wir uns alle einig. Aber dann hätten wir die ca. 30 Goldwings nicht gesehen, die nach hinten gefahren sind. Wieder draussen aus dem Tal fuhren wir auf der Hauptstrasse nach Arfoud. Zum ersten Mal kamen wir nicht als letzte an, sondern sassen schon um halb fünf geduscht am Pool und tranken ein Casablanca-Bier.
Das Hotel wurde uns von Jürgen als der Hammer angekündigt, aber wir finden es nicht so besonders. Das Abendessen war OK und wir haben uns zu sechst sehr gut unterhalten.

Pausentag in Arfoud

Samstag, 17.4.2010

Für heute war ein kleiner Ausflug mit dem örtlichen Reiseleiter angesagt. Ich wollte eigentlich nicht mit, weil ich sicher war, dass eine Oase für uns etwas anderes ist als für einen Marokkaner. Prompt war es auch so. Es war nur heiss und sehr staubig und sehr schmutzig. Über eine lange Strecke hatten wir nasse Naturstrasse. Das war nicht so unseres. Aber in der Gruppe hat man ja keine Gelegenheit, sich Gedanken zu machen. So fährt man einfach mit. Auch wenn wir halten, ist der Untergrund immer Kies, Sand oder Geröll. Ich wusste wirklich nicht, dass ich mich da so gut schlage. In gewisser Weise haben wir auf dieser Reise sehr viel gelernt. Ach ja, bei der Wegfahrt zu diesem kleine Ausflug zur angeblich schönsten Oase hat gleich einer auf den ersten 20 km sein Topcase verloren. Da war seine Kamera drin. Ist aber nichts kaputt gegangen. Das hätte auch böse ins Auge gehen können, wenn der Koffer dem Nachfolgenden um die Ohren geflogen wäre. Den Rest des Tages verbrachten wir im Hotel in der Bar. Die Flaschen und Gläser werden immer mehr. Die anderen fahren um 16.00 Uhr noch mit dem Jeep in die Wüste, aber das hatten wir schon in Ägypten. So versuche ich, mein ‘Büro’ wieder in Ordnung zu bringen, denn ich habe endlich mal Internetzugang.

Arfoud – Fes, 417 km

Sonntag, 18.4.2010

Der Pausentag war nötig und hat sehr gut getan. Heute fuhren wir 417 km nach Fes. Die Reise war unspektakulär, aber wunderschön. Um ehrlich zu sein, ich erinnere mich schon nicht mehr an Details. Auf jeden Fall waren wir gut in der Zeit und fuhren deshalb direkt ins Hotel. Nadja behauptete zwar, wir müssten durch die ganze Stadt, aber das stimmte nicht. wir umfuhren die Stadt auf der Umfahrungsstrasse links und kamen ohne Verkehr zum Hotel. Das Park Palace würde ich meiden, es ist mehr Schein als Sein. Das Personal ist unfreundlich, nicht hilfsbereit und das Essen ist wirklich schlecht. Von den etwa. 8 Liften war, wenn überhaupt, nur einer in Betrieb, aber immer wieder ein anderer. Der Konvoi liess lange auf sich warten und ich sagte noch, da stimmt was nicht. So war es dann auch. Eine Sozia ist runter gefallen, wegen Bodenwelle oder Schlagloch wissen wir nicht. Auf jeden Fall wurde sie vom nachfolgenden Motorrad angefahren und wurde ins Spital gebracht. Wir gaben Nadja 20 Euro dafür, dass sie den Reifen geflickt hatte und fragten, ob das genug wäre. Sie sagte ja. Nach dem Abendessen waren wir recht schnell im Bett.

Besichtigung der Medina und Fahrt nach Tanger, 351 km

Montag, 19.4.2010

Das Frühstück war ganz mies. Der Tee war richtiggehend ungeniessbar und der Kaffee war dünn und grauslig. Die verletzte Sozia wird nach Deutschland geflogen werden. Sie hat drei Rippen gebrochen. Ihrem Freund, dem Teddybären, geht es sichtlich nicht gut. Er tut mir so leid. Wir erfahren aus der Gerüchteküche, dass sie doch nicht von einem Motorrad überrollt worden ist. Vor der Wegfahrt kam jemand zu uns und sagte, sie wolle uns nur informieren, dass ein Reifenflickset 27 Euro kostet. Nun denn, wir bezahlten weitere 40 Euro an Nadja. Wir wollen ja nichts schuldig bleiben. Im Nachhinein fanden wir heraus, dass es das Reifen-Pannenset bei Louis für 14,95 gibt.

Zuerst fuhren wir im Konvoi zur Medina. Die Fahrt dauerte fast eine halbe Stunde, obwohl wir eigentlich in fünf Minuten da gewesen wären. Wir mussten wenden und fuhren kreuz und quer. Als wir endlich verschwitzt ankamen, sagten wir dem Fahrer des Begleitfahrzeugs, er solle es doch mal mit einem GPS versuchen. Später erfuhren wir dann, dass das eine Art Stadtbesichtigung hätte sein sollen, um uns den Judenfriedhof und die Medina zu zeigen. So viel zur Informationspolitik. Nachher wurden wir dann im Eiltempo durch die Engen Gassen der Medina getrieben. Wir hatten nicht mal richtig Zeit, Fotos zu machen. Nur da schnell ein Schuss, und dort noch einer. Schon kam der Ruf «Weitergehen!». Manchmal musste ich fast rennen. An Einkaufen war in der Eile natürlich nicht zu denken, schliesslich muss der Preis erfragt und dann verhandelt werden. Nach der Hetze mussten wir dann eine halbe Stunde an der prallen Sonne warten, weil der Bus nicht kam. Darauf hin hielten wir einfach ein Auto an, das uns wieder nach oben brachte. Der Fahrer wollte nicht mal Geld dafür.

Während wir warteten, wurde Yves von einem Jungen angesprochen, der schon von einem anderen Motorradfahrer ein kleines Päckchen Gummibärchen bekommen hatte: “Monsieur, 1 Dirham!?” Da fragte ihn Yves auf Französisch: “Gehst du zur Schule?” – “Ja.” – “Und lernst du da nicht, dass man höflich sein soll? Es heisst nicht ‘Monsieur, 1 Dirham’, es heisst ‘Bonjour Monsieur’. Dann grüsse ich dich auch und dann kannst du deine Frage stellen. Meinst du nicht, dass das höflicher wäre?” Der Junge war sehr beschämt und betroffen. So erhielt er noch einen Tipp: “Weisst du, wenn du die Menschen mit dem nötigen Respekt und mehr Höflichkeit behandelst, erreichst du mehr. Probier es aus.” Falls also Du, lieber Leser, in der Medina von Fes von einem oder gar mehreren Jungen sehr höflich angesprochen und um Geld oder ein Geschenk gebeten wirst… Der Junge sprach übrigens besser Französisch als mancher Polizist.

Wir waren total verschwitzt, als wir um 11.15 Uhr endlich los fuhren nach Tanger, wo wir um 17.00 Uhr am Treffpunkt sein sollten. Als Treffpunkt war ein Supermarkt Marjane vereinbart, der vor der Stadt liegen und gut ausgeschildert sein soll. Wir wussten von Anfang an, dass es eng werden würde. Deshalb machten wir nur einen Halt zum Essen an einer Tankstelle. Da hielten dann auch alle anderen Gruppen. Danach stoppten wir noch kurz, um einen Keramikteller für 20 MAD zu kaufen, damit wir wenigstens ein kleines Andenken mitbringen konnten. das wars. Der Rest bestand aus zügigem Fahren. So zügig, wie es die Strasse mit den Bodenwellen und Schlaglöchern erlaubte. Die Landschaft war sensationell schön. Wir fuhren durch grünes, hügeliges Land, durch Wälder und über feuchte Ebenen. Aber wir hatten keine Zeit für einen Fotohalt.

Prompt fanden wir den Supermarkt nicht, tankten beim ersten grossen Kreisel in der Stadt und erkundigten uns. Bei mir lagen natürlich die Nerven blank. Gemäss Nadjas Beschreibung suchten wir nach einem grossen Marjane mit einem Parkdeck auf dem Dach. Nach langem hin und her erfuhren wir, dass wir wieder vier Kilometer zurückfahren müssen. Das taten wir und dieses Mal fanden wir den Supermarkt. Da Nadja vorher sagte, er sei gut ausgeschildert, suchten wir nach Schildern und schauten uns im entscheidenden Moment nicht die Bauten auf der linken Seite an. Auch andere Gruppen fuhren daran vorbei. Und das Parkdeck war auch nicht auf dem Dach, sondern vor der Türe. Viele von uns regten sich über diesen Treffpunkt auf. Wir nahmen den Leuten, die mit dem Auto einkaufen kamen, den kleinen Parkplatz weg und der Treffpunkt war schwer zu finden. Als ob es auf der rechten Strassenseite in Fahrtrichtung keine Tankstellen gäbe. Bisher stellten alle Tankstellen eine grosse Fläche zur Verfügung. Da hätten wir auch gleich tanken können. Da wir nicht wussten, wann der Konvoi startet, konnten wir auch nicht in den Supermarkt gehen, um noch etwas einzukaufen. Ich hätte mir gerne das Angebot angeschaut. Wir fuhren dann um 18.00 Uhr (nicht wie angekündigt um 17 Uhr) im Konvoi zum Hafen. Dort wurde Heike noch beinahe von einem Auto angefahren, das den ganzen Konvoi unbedingt überholen musste, auf der Gegenfahrbahn natürlich. Wir stellten die Motorräder ab und erhielten einen gelben Zettel zum Ausfüllen. Dann wurden die Pässe eingesammelt. Nachdem wir uns vor dem Zollschalter aufgereiht hatten, wurden die Pässe wieder ausgeteilt. Nicht nur die Marokkaner haben Leerläufe. Es war alles ein riesiges Durcheinander, aber wir schafften es schliesslich gegen 22.00 Uhr auf die Fähre. Als wir das Parkdeck verlassen wollten, wurden wir von Jürgen informiert, dass wir uns beim Pool sammeln müssen. Er sagte aber nicht, auf welchem Deck der Pool ist, so dass sich wieder eine grosse Fragerei ergab, bis wir dann endlich wussten, dass wir ins siebte Deck müssen. Dort erhielten wir die Zimmerschlüssel und die Essensgutscheine und die Info, dass wir ab sofort zum Essen gehen können. Aber wir wussten nicht, wie lange es Essen gibt und ob es reichen würde, vorher noch zu duschen. Wir dachten, dass wir im schlimmsten Fall nicht verhungern würden und duschten. Dann gingen wir zum Essen. Wir waren schon fast fertig, als Ottmar und Jutta kamen. Sie hatten keine Gutscheine bekommen, weil sie nicht am Pool waren. Sie fuhren als beinahe erste aufs Schiff und gingen ebenfalls an Jürgen vorbei ins Schiff. Ihnen sagte er aber nicht, dass es einen Treffpunkt am Pool gibt. Also mussten sie nochmals zur Rezeption und Nadja ausrufen lassen. Beim Essen haben wir uns dann so schön über die Organisation der Reise und vor allem die fehlenden Informationen austauschen können.

Ein Tag auf See

Dienstag, 20.4.2010

Wir haben super gut geschlafen, auch wenn mir beim Einschlafen noch lange sehr kalt war. Nach dem Frühstück war Tagebuchschreiben und Routenplanung angesagt. Wir möchten ja noch einige Tage in Spanien anhängen. Der Tag auf der Fähre ging recht schnell vorbei. Nach dem Mittagessen zogen wir uns nochmals zurück. Ich machte die Routenplanung und dann schliefen wir noch etwas mehr als eine Stunde. Für 16.00 Uhr hatten wir uns zum Kaffee verabredet. Da blieben wir dann sitzen bis zum Abendessen um 19.00 Uhr. Auch dieses Essen war wieder lecker, aber irgendwie hatten alle keinen rechten Appetit. Es gibt auch immer das gleiche Essen und das haben jetzt alle gesehen und genossen. Schon um 22.00 Uhr waren wir in der Kabine. Wir wollten uns gerade ausziehen, als eine ansonsten unverständliche Durchsage kam. Wir verstanden nur Reisen & Erleben. Dann klopfte es und Jutta wollte wissen, was da los wäre. Da wir keine Ahnung hatten, gingen wir zwei Frauen grummelnd zur Rezeption. Da war der Freund von Nadja. Es war nur ein Aufruf für Nadja. Aber wir nutzten die Gelegenheit und erfragten Infos. Frühstück ab halb sieben. Schön, dass man das noch schnell erfährt, so zufällig, vor dem Schlafengehen.

Ankunft in Barcelona

Mittwoch, 21.4.2010

Wir haben ausgezeichnet geschlafen und hätten noch länger am Kissen horchen können, aber der Wecker scheuchte uns um 06.00 Uhr auf und um halb sieben waren wir beim Frühstück. Ab 08.00 Uhr warteten wir alle voll angerödelt und mit Gepäck beim Pool. Da kann man rauchen, deswegen. Das Auschecken bzw. die Einreise in Europa war unkompliziert und um 09.00 Uhr drehten wir am Gas.

Fazit

Am Ende des Originaltextes hatte ich notiert: “Wir werden nie wieder eine geführte Motorradreise machen. Wir sind durchaus in der Lage, unsere Reisen selber zu planen und uns über Land und Leute zu informieren. Vom Veranstalter sind wir total enttäuscht. Das war keine geführte, sondern eine organisierte Reise.” Inzwischen sind einige Wochen ins Land gegangen und ich denke anders darüber. Ich bin mit toal falschen Erwartungen auf diese Reise gegangen. Um künftigen Reiseteilnehmern vielleicht eine Enttäuschung ersparen zu können, habe ich dieses Tagebuch online gestellt.

Ich würde die Reise sofort wieder mitmachen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Verbesserungsvorschläge

Hier meine Kritikpunkte in ungeordneter Reihenfolge:

  • Wir hätten gerne jeden Abend ein Briefing gehabt, um zu erfahren, was tagsüber so passiert ist und was uns morgen erwartet.
  • Wir hätten gerne die GPS-Daten der Treffpunkte und Routen im voraus gehabt. Wir bekamen zwar die täglichen Routen auf Papier ausgedruckt. Da fehlten aber die Streckenlänge in km, die den Organisatoren bekannt sein mussten. Da die meisten Teilnehmer mit GPS fuhren, wäre die Herausgabe der Daten sinnvoller gewesen, als kiloweise Papier zu bedrucken.
  • Wir hätten gerne Treffpunkte gehabt, die man leicht findet, auf der rechten Strassenseite, mit Kaffee für diejenigen, die lange warten müssen. Tankstellen wären praktisch.
  • Wir wären gerne über die Unfälle und Pannen informiert worden, einerseits um Gerüchten vorzubeugen, andererseits um vielleicht etwas zu lernen.
  • Wir hätten gerne mehr über Land und Leute erfahren, zumal wir einen örtlichen Reiseleiter hatten. Dem musste man aber auch alles aus der Nase ziehen, falls man ihn überhaupt zu Gesicht bekam. Das Briefing böte sich als gute Gelegenheit.
  • Wir hätten gerne vorher gewusst, dass es in diesem Land sehr viele Geschwindigkeitskontrollen gibt.
  • Wir hätten gerne vorher gewusst, dass man an Tankstellen bar bezahlen muss.
  • Wir fanden die Strecken zu lange. 420 oder 470 km unter Zeitdruck machen keinen Spass. Wir konnten deshalb auch die Hotels nicht geniessen. Die Badehose wurde nie nass, oft hatten wir den Pool nicht mal gesehen.
  • Es geht nicht an, dass am Ende der Reise jeder je 10 Euro an beide örtlichen Reiseleiter bezahlen sollte. Wir erfuhren bei dieser Gelegenheit erst, dass da zwei Reiseleiter waren, wir sahen nur einen, den Schidou. Der war 7 Tage mit uns. Wenn dann jeder 10 Euro gibt, kriegt er knapp 1000 Euro für diese Zeit. Das übertrifft ja sogar europäisches Lohnniveau.
  • Der Aufenthalt in Marokko sollte verlängert werden.

Vorschlag für Mitbringsel

Viele Kindern betteln um Geld. Ich weiss nicht, ob es Sinn macht, 1 oder 2 Dirham zu geben, weil vielleicht die Familie darauf angewiesen ist. Auf jeden Fall haben die Kinder auch eine riesige Freude an Süssigkeiten und Kaugummis (1 Stk. pro Kind reicht). Ganz praktisch sind die kleinen Gummibärchen-Packungen. Man könnte aber auch Luftballons mitbringen, die sind leicht. Kugelschreiber, Buntstifte und kleine Notizblöcke wären auch eine Idee. Etwas schwerer sind bunte Murmeln. Wer etwas mehr Zeit mit den Kindern verbringen möchte, kann kleine Geduldsspiele mitbringen und den Kindern zeigen, wie man sie löst.

Lob

Wir haben gesehen, welches Talent es braucht, eine solche Reise als Reiseleiter durchzuziehen. Nadja betreibt ein perfektes Notfallmanagement. Ich glaube nicht, dass man das noch besser machen kann. Was das betrifft, kann man sich getrost in ihre Obhut begeben. Sie ist immer gut gelaunt,  hat Nerven wie ein 6-Zylinder (durch nichts zu erschüttern). Sie ist freundlich und hilfsbereit, hört zu und packt die Dinge an. Fantastisch. Herzlichen Dank!

Was bleibt, ist die Erinnerung…

  • an neue Freunde, zu denen wir noch immer Kontakt haben
  • an viele tolle Biker, lustige, unterhaltsame, hilfsbereite Gleichgesinnte
  • an einen Crashkurs in Reifenflicken. Nun sollten wir fähig sein, uns selber zu helfen. Künftig führen wir deshalb auch Reifenflicksets mit uns.
  • an eine Reise in einer kleinen, aber feinen Gruppe und die Erkenntnis, dass es selbst für das Miteinander mit nur sechs Personen Disziplin braucht und dass man miteinander reden muss
  • an ein wundervolles Land, aus dem wir ohne Souvenirs zurück kamen
  • an viele Polizisten auf der Strecke, die gerne helfen, wenn man sie um Rat fragt
  • an eine stressige, anstrengende Reise

GPS-Track

marokko-track.gpx

Ich habe die Tracks überarbeitet und normale Verfahrer gelöscht. Einige Besonderheite habe ich aber belassen:

  • In Sidi-Kassem war die vorgesehene Strasse gesperrt. Die Anfahrt ist auf dem Track, die Ausweichroute, die übrigens sehr schön war, ebenfalls.
  • Nach Meknes ist unsere Gruppe einige Kilometer auf kleinen Strassen über Land gefahren. Wir haben dann aber eingesehen, dass wir uns das vom Zeitmanagement her nicht leisten können. Besonders schön war es auch nicht. Also hier besser gleich auf der Hauptstrasse bleiben.
  • Kurz vor dem Tichka-Pass sind wir rechterhand eingekehrt. Wir haben Kaffee und wunderbare Schokolade getrunken. Die Gaststätte und Toiletten waren sehr sauber.
  • Der Abstecher zwischen Amerzgane und Ouarzazate hätte zu einem Weltkulturerbe gehen sollen. Nachdem ich nun Google Earth bemüht habe, scheint es, als wären wir schlecht beraten worden. Also bitte nicht bis zur Holzbrücke und darüber hinweg bis zum Strassenende fahren. Die Sehenswürdigkeit heisst Ait-Ben-Haddou und ist nach wenigen Kilometern erreicht.
  • In Midelt war die Strasse auf einer kurzen Strecke gesperrt. Ich hab den Track entprechend belassen.
  • Die “Stadtrundfahrt” in Fes habe ich ebenfalls im Track belassen. Die wird aber im Konvoi gefahren.

Am Einfachsten erstellst Du aus den Tracks Routen, indem Du sie in MapSource nachzeichnest. Du nimmst die entsprechenden Wegpunkte als Start und Ziel einer Strecke und überprüfst dann, ob das Routing dem Track entspricht. Wenn nicht, gibst Du einen zusätzlichen Wegpunkt ein und schon hast Du Deine Route. Es gibt nicht so viele Strasse in Marokko, das Routing ist also recht einfach. Überprüfe die Standorte bzw. Namen der Hotels mit deinen Reiseunterlagen, sie können ändern.

Leider fehlen die Treffpunkte, da ich ja nie an einem war. Entweder wir waren zu spät oder hatten ihn nicht gesehen. Einzig der Treffpunkt beim Supermarkt Marjane vor Tanger am letzten Tag ist vorhanden. Wenn jemand die Standorte der Treffpunkte hat, freue ich mich, wenn ich sie per Mail erhalte. Dann baue ich sie in die Datei ein.

An dieser Stelle danke ich Ottmar ganz herzlich. Er hat viel Zeit investiert und die Standorte der Hotels in MapSource erfasst und auch die Routen vorbereitet.

   

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Ein Gedanke zu “Geführte Motorradreise durch Marokko 2010

  • W. Sommer

    Toller Bericht, der nicht alles “schön färbt”, sondern auch die nicht so guten Dinge einer Reise aufzeigt. Vielen Dank für diesen Bericht und weiter so. Ich bin auf den Bericht über R & E, Lob und Tadel gekommen.