Adventure Cycle-Touring Handbook

adventure-cycle-touring-handbook Das neue Adventure Cycle-Touring Handbook ist da. Diese Meldung las ich auf der Homepage von Travelling Two. Letzten Mittwoch bestellte ich das Buch bei Trailblazer in England für £ 14,99 (ohne zusätzliche Lieferkosten), am Freitag lag es schon im Briefkasten. Ein toller Service.

Das Buch enthält auf über 300 Seiten Reiseratschläge, Inspiration und Geschichten. Das ist viel Stoff zum Aufsaugen. Es überrascht nicht, dass dieses Werk unter Reiseradlern zur Bike-Bibel avancierte, nachdem es erstmals 2006 publiziert worden ist.

Oberflächlich gesehen scheint der Inhalt der Gleiche zu sein wie in der ersten Ausgabe, zumindest was die Struktur betrifft. Wie auch im Vorgänger startet man mit praktischen Erwägungen wie welches Fahrrad das Richtige ist und wie man die Campingausrüstung auswählt. Teil 2 beschreibt Routen um die ganze Welt und der letzte Teil unterhält mit vergüglichen und amüsanten Geschichten von teilweise bekannten Radreisenden.

Taucht man etwas tiefer ein, entdeckt man schnell, wie viel Autor Stephen Lord und seine Schar von fast 50 Mitwirkenden zu dieser neuen Ausgabe hinzugefügt haben.

Mehr Ausrüstung und Routen

Der Abschnitt Ausrüstung ist deutlich grösser, mit mehr als 10 aktuellen Empfehlungen für geeignete und weithin verfügbaren Tourenräder. Surly‘s Long Haul Trucker (guck Dir unbedingt auch mal das Big Dummy an ;) ), Thorn‘s Raven Tour und das Liegerad Street Machine von HP Velotechnik, alle werden vorgestellt. Es wird auch erklärt, wie man ein gebrauchtes Mountainbike an die Bedürfnisse eines Tourenradlers anpassen kann. Wichtige Ausrüstungsteile wie Zelte, Gepäckträger und Reifen erhalten genau so viel Aufmerksamkeit wie praktische Tipps zu Impfungen oder wie man die Reisekosten berechnet.

Ein immer währendes Thema sind die Profile von ultraleicht Reisenden und der Schwergewichtsfraktion, die mehr als nur den normalen Haushalt mit schleppt. Die Unterschiede zwischen “so viel wie nötig” und “so viel als möglich” sind faszinierend. Cameron Smith reiste mit minimalistischen 8 kg Ausrüstung während 6 Monaten durch China und Tibet. Sein Kulturbeutel enthielt nur eine Zahnbürste, Zahnpasta, Toilettenpapier und ein Handtuch. Alvaro Neil zieht es vor, 3 Kocher, 8 Ortlieb Taschen, einen extra Reifen und Essen für 1-2 Tage auf sein schwer beladenes Rad zu packen. Immerhin war er 10 Jahre unterwegs.

Als nächstes kommt das Herzstück des Buches, 144 Seiten aktualisierte und erweiterte Routenbeschreibungen. Kaum ein Teil der Welt bleibt unerwähnt. Nichts wird so ausführlich behandelt wie in einem regionalen Reiseführer. Erwarte keine Hotelempfehlungen oder detaillierte Routenbeschreibungen von Kreuzung zu Abzweigung. Aber es  gibt genügend Informationen, um Appetit auf die Straße zu machen und Deine Route zu planen, einschliesslich Hinweise auf die Landschaften, Kulturen und fremde Lebensmittel, die Du in unbekannten Teilen der Welt antreffen wirst, alle aus der Perspektive des Radlers geschrieben.

Überall eingestreut sind besondere Tipps. Du erfährst, was es mit den Zecken in Russland auf sich hat, was Dich in den Badehäusern (der billigste und interessanteste Weg für einen schmuddeligen Radfahrer, sich zu schrubben) des Nahen Ostens erwartet und welche kostenlose Camping-Möglichkeiten es in Japan gibt.

Wie es sich für ein Buch mit dem Wort “Abenteuer” im Titel gehört, liegt der Fokus auf Reisen in weniger entwickelten Ländern. Eine große Karte zeigt die wichtigsten trans-kontinentalen Strecken von Europa nach Asien. Das ist von unschätzbarem Wert, wenn Du  herauszufinden möchtest, wie Strecken wie der Karakorum Highway durch Pakistan mit Strassen weiter nördlich durch Russland und Zentralasien verbunden werden könnten.

Es gibt einen grossen Abschnitt über Tibet, einschliesslich Tipps für Reisegenehmigungen und der Beschreibung einer der härtesten Radtouren der Welt. Die Reise von Lhasa nach Kashgar führt über 31 Pässe, 9 von ihnen liegen über 5.000 Meter. Afrika bekommt auch ein bedeutendes Kapitel mit einem Streckenplan, Profilen der wichtigsten Länder, die Du vielleicht bereisen möchtest und den Antworten auf einige der häufigsten Fragen über das Radfahren dort wie Strassenzustand, Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und was Du über die Korruption dort wissen solltest.

Weniger Aufmerksamkeit bekommen besser bekannte und vertrautere Gebiete wie Nordamerika, Europa und Australien, aber es gibt immer noch Raum für die bekanntesten Routen wie die Great Divide Mountainbike-Strecke von Kanada nach Mexiko oder die North Sea Cycle Route, die der Küstenlinie von 7 Ländern in Nordeuropa folgt. Neuseeland findet ebenfalls Erwähnung, wobei hier die Aussage, die Nordinsel wäre leichter und ungefährlicher zu fahren als die Südinsel, im krassen Gegensatz steht zu Aussagen, die ich auf diversen Reiseblogs gelesen habe.

Bettlektüre

Die Geschichten am Buchende geben einige grossartige Bettlektüren ab und vermitteln bunte Momente und berührende Erlebnisse von der Strasse. Ermutigung für neue Radtouristen kommt von Tim Brewer, der eine Fahrt von England nach Australien geschafft hat. Er startete als starker Raucher, mit Übergewicht und einem Alkoholproblem. Untwegs verlor er mehr als 50 kg Gewicht.

Das Buch endet mit Fussnoten zur Fahrradwartung, wie man unterwegs mit Familie und Freunden in Kontakt bleiben kann und einem Glossar.

Das Adventure-Cycle Touring Handbook gehört zu den “haben müssen” für Reiseradler. Leider ist es zu schwer für die Packtaschen. Zudem sollte man den Inhalt kennen, bevor man sich auf den Weg macht. Zur Reisevorbereitung ist das Werk unverzichtbar. Neueinsteiger können am meisten von den Tipps und Ratschläge profitieren. Erfahrene Radreisende wissen bereits vieles. Aber auch sie finden noch Neues und das eine oder andere Aha-Erlebnis. Das Buch ist in Englisch geschrieben.

Tipps und Tricks für Reiseradler

Grosse Lowrider-Taschen

Üblicherweise werden für das Vorderrad kleinere Packtaschen empfohlen als für den Gepäckträger. Der Grund ist einfach: Je mehr Gewicht auf dem Vorderrad lastet, desto unhantlicher wird das ganze Gefährt. Lowrider-Taschen können aber auch gross sein, also 2 x 20 Liter. Man muss sie ja nicht füllen und wenn, achtet man auf jeden Fall darauf, hier leichte Sachen einzupacken. Die Bodenfreiheit am Vorderrad ist noch immer gegeben, wenngleich man nun auf hohe Bordsteinkanten achten sollte.

Strassenkarten sind Verbrauchsmaterial

Viele Reisende trauen sich nicht, etwas auf ihrer Karte einzuzeichnen. Sie suchen lieber immer wieder den Standort und das Ziel. Strassenkarten sind Verbrauchsmaterial, ehrlich. Man darf

  • darauf Notizen machen
  • den Umschlagkarton wegschneiden
  • die Karte in handlichere Einzelteile zerschneiden, die dann leichter in die Kartentasche geschoben werden können
Wo gibts Wasser?

Der Wasservorrat kann in Europa fast immer auf  Friedhöfen aufgefüllt werden. Wer sich traut, findet hier auch einen sehr ruhigen Übernachtungsplatz.

Der nasse Socken Trick

In der Hitze hält eine nasse Socke die Wasserflasche länger kühl. Das funktioniert nach dem Kühlschrank-Prinzip.

Lenkungsdämpfer

Ein Lenkungsdämpfer verhindert, dass der Lenker umschlägt, wenn man das Rad abstellt. Es gibt ihn in verschiedenen Ausführungen und Qualitäten, die Preise variieren ebenfalls stark (3,50 EUR bis 11 EUR), deshalb stelle ich keinen Link ein. Suche nach “Lenkungsdämpfer Fahrrad”. Wenn Du Dir ein Fahrrad bauen lässt, lasse Dir gleich ein Befestigungsloch in den Rahmen bohren, dann kannst Du auf die unschöne Bride verzichten. Du hast dann quasi eine integrierte Lösung.

Mooncup

Binden und Tampons sind nicht überall auf der Welt erhältlich. Es gibt aber eine super Lösung für die Tage der Frau: der Mooncup.

Energie an Bord

Es geht halt nicht mehr ohne. Immer mehr Reiseradler haben ein Laptop bei sich, eine Kamera mit Akku, ein Handy sowieso, MP3-Player, GPS und noch einiges mehr. Es gibt verschiedene Lademöglichkeiten. Am besten ist aber noch immer, Du achtest beim Kauf darauf, dass das Gerät mit Batterien betrieben werden kann. Dazu gehören MP3-Player, Fotoapparat und GPS.

Lademöglichkeiten sind

  • im Café, Restaurant, McDonalds
  • im Internet-Café
  • während der Übernachtung bei Gastgebern oder im Hotel / Jugendherberge
  • an der Rezeption des Campingplatzes

Wer die Unabhängigkeit vorzieht und einen Nabendynamo hat, sollte sich über die Anschaffung des Forumsladers oder des USB-Ladegerät von Zzing Gedanken machen.

Es gibt auch Solarladegeräte, die mehr oder weniger funktionieren. In jedem Fall ist es wichtig, dass Du die Aufnahmeleistung des angehängten Gerätes kennst. Die Installation unbedingt vor der Reise testen.

Verschenke Dich als Foto

Auf einer Radreise wirst Du sehr viele Menschen treffen, die sich für Dich interessieren und Dir auf die eine oder andere Weise helfen. Bedanke Dich bei ihnen mit einem Foto von Dir, ev. mit dem vollbepackten Fahrrad. Schiesse ein tolles Foto, verkleinere es auf Postkartenformat 10 x 15 oder soweit, dass mehrere Bilder auf einer A4-Seite Platz haben. Füge einen Text hinzu (Dein Name, Mail, URL Deiner Website oder was auch immer) und lasse im nächsten Copyshop einige Karten drucken.

Erzähle in jeder Sprache von Deiner Reise

Viele Menschen werden sich für Deine Reise interessieren. Erzähle ihnen davon, auch wenn ihr verschiedene Sprachen sprecht. Organisiere eine Karte, auf der Du Deine Reise einzeichnest. Überziehe sie mit durchsichtiger Folie oder lasse sie plastifizieren, damit sie auch lange hält.

Postkarten mit eigenen Fotos

Einen persönlicheren Gruss von unterwegs gibt es nicht. Verschick’ Postkarten mit Deinen eigenen Fotos. So kommen auch Gastgeber zum Familienfoto, das Du beim Abschied geknipst hast. Auch die Schweizerische Post bietet einen Postkartenservice an.

Karten fotografieren

Oft sind in Städten grosse Umgebungspläne ausgestellt. Die sind viel detaillierter als Deine Karte. Fotografiere den Plan. Das geht auch mit Google Maps. Da fotografierst Du einfach den Bildschirm. Bevor Du die Orientierung verlierst, holst Du die Kamera hervor und schaust Dir das Foto an. Ev. musst Du für einen Plan mehrere Fotos machen. In Copyshops kannst Du die Kartenfotos auch drucken lassen.

Wichtige Papiere fotografieren und speichern

Es ist nicht angenehm, mit zig Fotokopien von Dokumenten zu reisen. Papier ist schwer. Fotografiere (oder scanne) alle wichtigen Dokumente wie Passport, Versicherungsnachweis usw. Speichere die Dateien an einem sicheren Ort im Internet oder bei Dir auf dem Laptop oder dem USB-Stick. Du kannst die Dateien auch per Mail an Dich versenden. So hast Du alle wichtigen Kopien bei Dir.

Bildergalerie

Anhänger ExtraWheel

Wer sich für seine Radreisen für einen Anhänger entscheidet, findet mit dem ExtraWheel wohl die leichteste und trotzdem robuste Lösung. Der Wendekreis des Fahrrads bleibt erhalten, der Anhänger ist nicht breiter als das Zugfahrzeug und man kann das dritte Rad als Ersatzrad benutzen. Es hat dieselbe Grösse wie die anderen Räder, zusätzliches Ersatzmaterial und Flickzeug sind nicht nötig. Seit neustem können auch handelsübliche Gepäcktaschen montiert werden. Die teuerste Version mit Rad und den wasserdichten Expert-Taschen kostet 299 EUR. Das Extrawheel ohne Rad und Taschen kostet 195 EUR (Stand 2.4.2010) und wiegt ca. 2,9 kg. Zum Shop…

Guck Dir die Homepage von Extrawheel.de an. Die Videos sind absolut sehenswert.

PS: Dies ist kein bezahlter Werbetext, sondern meine persönliche Meinung.

Wild, hidden oder stealth Camping

Wild Camping, hidden Camping oder stealth Camping bedeutet auf jeden Fall unsichtbares Camping und ist ein immer wieder lebhaft diskutiertes Thema in Reiseforen und unter Reisenden. Wer es schon öfters gemacht hat und sich dabei wohl fühlt, ist unbedingt dafür, wer Angst davor hat aber es versuchen möchte, sucht nach Möglichkeiten, die Gründe, die dagegen sprechen, zu widerlegen. Wie auch immer, wer ausserhalb Europas Grenzen reist, sollte auf jeden Fall wild Camping lernen. In Europa ist das natürlich auch möglich. Wegen der Bevölkerungsdichte kann es aber schwieriger sein, einen geeigneten Platz zu finden. Zudem ist es in den meisten Ländern verboten oder nicht erlaubt (feiner Unterschied bei der Bestrafung). In nordischen Ländern, Schottland und der Schweiz gibt es das Jedermannsrecht. Beachte: Wild zelten kann wohl verboten sein, ist aber nicht kriminell im Sinne des Rechts, wenn man es trotzdem tut.

Auf Radreisen durch die Welt ist der Tagesablauf unvorhersehbar. Je mehr man plant, desto eher kommt alles ganz anders. Müdigkeit, Mangel an Wasser oder Essen, schlechtes Wetter oder Gespräche mit interessanten Menschen hindern einen allzu häufig, das gesetzte Tagesziel zu erreichen. Zudem ist wild Camping ruhig, am Busen der Natur und gratis.

Wild campieren auf einem Friedhof

Wer sich nicht traut, wild zu campieren, hat meist Angst vor der Polizei, die einen mitten in der Nacht wegscheucht oder vor dem Landbesitzer, der dasselbe tun könnte. Es könnten auch Tiere den wichtigen Schlaf stören oder böse Buben mit schlechten Gedanken. Erfahrungsgemäss passiert aber nichts davon, sofern man bei der Platzwahl einige Grundsätze beachtet. Nicht vergessen sollte man auch, dass die Menschen in anderen Ländern nicht so abgeschottet leben wie wir in Europa. Vielerorts ist es nicht ungewöhnlich, dass Reisende ihr Camp in der Natur aufbauen. In einigen Ländern kann es sein, dass man euch Essen bringt oder euch für die Nacht in ein Haus einlädt, wenn ihr es nicht geschafft habt, das Lager gänzlich unbeobachtet aufzubauen.

Halte Ausschau nach einem Platz fernab von Häusern und nicht einsehbar von der Strasse. Wald, der auch auf Karten eingezeichnet ist, bietet meist ausgezeichneten Schutz. Auch die kleinen Wälle, die oft parallel zur Strasse aufgehäuft sind, bieten einen geschützten Platz, wenn es dahinter flach ist. Selbstverständlich kann man nicht einfach auf einen solchen Platz zu fahren. Meist muss man das Rad und die Ausrüstung steile Böschungen hinauf oder hinunter tragen, über Hindernisse wie Felsbrocken oder Absperrungen.

  • Wenn möglich nicht auf ausgeschildertem Privatgelände campieren. Wege nicht verstellen.
  • Ausgetrocknete Flussbetten sind absolut tabu. Es kann lebensgefährlich werden, wenn es in einer Region weit weg heftig regnet und sich das abfliessende Wasser zu einem Strom formt.
  • Plätze nahe am Wasser sind kühler und feuchter.
  • In Bärenland muss das Camp absolut sauber und frei von Essensresten sein. Gekocht wird in einem Abstand von mind. 200 m zum Schlafplatz. Essensreste und Abfälle mit einem Seil an einem Ast nicht zu nahe am Stamm mind. auf 3 m hochziehen. Ansonten helfen die wasserdichten Ortliebs, alles sauber und geruchfrei wegzupacken.
  • Kein Feuer machen oder laute Musik spielen. Wildes Camping ist leises Camping.
  • Spät ankommen und früh wegfahren sind ebenfalls Regeln, die aber recht flexibel sind.
  • Der Stolz eines jeden Wildcampers ist es, keinerlei Spuren zu hinterlassen, besonders keinen Abfall.

Wenn gar nichts mehr geht, frag jemanden nach einem geeigneten Platz. Sei aber darauf vorbereitet, dass Du dann vielleicht eine Einladung in ein Haus bekommst oder dass Du im Vorgarten quasi mit Familienanschluss übernachten darfst.

Wild zelten hat natürlich auch seine Nachteile, wobei mir da nicht so viel in den Sinn kommt und wirkliche Nachteile sind das auch nicht:

  • Da man nicht weiss, was einen erwartet, muss man damit rechnen, dass kein Wasser in Reichweite ist. Man muss also vorsorgen und Wasser bunkern. (für die körperliche Sauberkeit, Zähne putzen, Abwasch)
  • Es gibt kein Klo. Ist das wirklich ein Nachteil? Die Natur kann sauberer sein als ein WC in einem Restaurant.
  • Auch muss man genügend Essen dabei haben.
  • Der “Schutz”, den Zeltplätze bieten, gibt es nicht. Diebe haben freien Zutritt und im Notfall muss man selber die Notrufnummer kennen und vor allem Handyempfang haben. Man muss in diesem Fall auch seinen Standort kennen, damit die Helfer wissen, wo sie gebraucht werden.

Die meisten Menschen müssen wild campieren erst lernen. Wenn Du auch zu denen gehörst, lass Dir viel Zeit. Je nach Lebensalter, -erfahrung und Vorstellungskraft sind die Hürden mehr oder weniger hoch. Aber es lohnt sich, sie zu überspringen. Und noch eine letzte Weisheit: Es ist nicht bewiesen, dass Ameisen furzen, auch wenn des nachts ängstliche Ohren genau das gehört haben wollen.

Dieser Beitrag wurde inspiriert vom Reiseblog von Friedel und Andrew, Travelling Two. Dieses Pärchen ist mit dem Fahrrad um die Welt gefahren und wir durften ihre Gastgeber sein. Das Blog ist in Englisch.

Souvenirs und Geschenke

Mitbringsel

Souvenirs sind wunderbare Erinnerungen, die einen das ganze restliche Leben begleiten können, sofern man sie damals klug ausgewählt hat. Abgesehen davon, dass Souvenirs immer praktisch sein sollten, müssen sie für Radreisende einige zusätzliche Anforderungen erfüllen. Sie sollten

  • möglichst leicht sein
  • nicht sperrig
  • nicht zerbrechlich
  • leicht zu transportieren oder nach Hause zu schicken

Man soll auch darauf achten, dass die Souvenirs wirklich aus dem besuchten Land stammen. Wobei auf Kuckucksuhren zum Beispiel gerne auch “Made in Taiwan” steht. Was kein Grund sein sollte, keine Schwarzwälder Kuckucksuhr zu kaufen ;) .

Als Souvenirs besonders geeignet sind

  • Musik-CDs
  • Kissenbezüge (für Zierkissen)
  • Stoff
  • Gewürze

Musik begleitet einen oft durch das Reiseland und man kann wunderbar in Erinnerungen schwelgen, hört man die Melodien Jahre später wieder. CDs sind leicht. Wer mit Laptop oder MP3-Player reist, kann sie gleich überspielen und die CD dann verschenken. Je nachdem, wieviel und was man kauft, kann man es auch nach Hause schicken, dann muss man es nicht mit sich herum schleppen.

Als Souvenirs ungeeignet sind

  • Waren, die nicht ins Heimatland eingeführt werden dürfen
  • Produkte von geschützten Tieren
  • örtliche Kleidung (sieht zu Hause lächerlich aus)
  • verderbliche Waren (auch Gewürze halten nicht ewig)

Hast Du noch mehr Ideen für tolle Souvenirs? Melde Dich an und schreibe einen Kommentar.

Geschenke für Kinder und Menschen unterwegs

Viele Kindern betteln um Geld. Ich weiss nicht, ob es Sinn macht, Geld zu geben, weil vielleicht die Familie darauf angewiesen ist. Auf jeden Fall haben die Kinder auch eine riesige Freude an Süssigkeiten und Kaugummis (1 Stk. pro Kind reicht). Ganz praktisch sind die kleinen Gummibärchen-Packungen. Man könnte aber auch Luftballons mitbringen, die sind leicht. Kugelschreiber, Buntstifte und kleine Notizblöcke wären auch eine Idee. Etwas schwerer im Gewicht sind bunte Murmeln. Wer etwas mehr Zeit mit den Kindern verbringen möchte, kann kleine Geduldsspiele mitbringen und den Kindern zeigen, wie man sie löst.

Zusammenfassung:

  • Geld
  • Süssigkeiten (hitzeunempfindlich)
  • Kaugummi
  • Mini-Gummibärchen-Packungen
  • Luftballons
  • Kugelschreiber
  • Buntstifte
  • Notizblöcke
  • Murmeln
  • Geduldsspiele
  • Inspiration im Spielwarenladen holen

Geschenke für Erwachsene

In vielen Ländern haben auch Erwachsene Freude an Buntstiften, Papier, kleinen Spielen, Murmeln usw. Abgesehen davon geht man zu Erwachsenen schnell eine intensivere Beziehung ein, sie werden Freunde.

Verschenke Dich als Foto

Auf einer Radreise wirst Du sehr viele Menschen treffen, die sich für Dich interessieren und Dir auf die eine oder andere Weise helfen. Bedanke Dich bei ihnen mit einem Foto von Dir, ev. mit dem vollbepackten Fahrrad. Schiesse ein tolles Foto, verkleinere es auf Postkartenformat 10 x 15 oder soweit, dass mehrere Bilder auf einer A4-Seite Platz haben. Füge einen Text hinzu (Dein Name, Mail, URL Deiner Website oder was auch immer) und lasse im nächsten Copyshop einige Karten drucken.

Erzähle in jeder Sprache von Deiner Reise

Viele Menschen werden sich für Deine Reise interessieren. Erzähle ihnen davon, auch wenn ihr verschiedene Sprachen sprecht. Organisiere eine Karte, auf der Du Deine Reise einzeichnest. Überziehe sie mit durchsichtiger Folie oder lasse sie plastifizieren, damit sie auch lange hält.

Postkarten mit eigenen Fotos

Einen persönlicheren Gruss von unterwegs gibt es nicht. Verschick’ Postkarten mit Deinen eigenen Fotos. So kommen auch Gastgeber zum Familienfoto, das Du beim Abschied geknipst hast. Auch die Schweizerische Post bietet einen Postkartenservice an.



Die Wahl des Zeltes

Für welche Situationen wird ein Zelt benötigt? Für schönes, windstilles Wetter eigentlich nicht. Da könnten ein Tarp oder Moskitonetz reichen. Aber wie sieht es aus mit

  • stechenden Plagegeistern?
  • Regen, auch tagelang?
  • Schnee?
  • Sturm?
Bei Regen macht Zelten keinen Spass Ein Zelt muss darauf ausgelegt sein, dass man sich unter den widrigsten Bedingungen auch längere Zeit darin aufhalten kann und sich wohl fühl. Das ist die Basis der Entscheidungs-grundlagen. Es spielt auch eine Rolle, ob man in warmen Gegenden unterwegs ist oder ob man mit allem rechnen muss. In diesem Fall entscheidet man sich für ein 3-Jahreszeiten Zelt. Es gibt noch weitere Aspekte zu berücksichtigen:

Zeltform

  • Ein Geodät ist ein selbststehendes Zelt. Im Notfall hält es auch ohne Heringe. Es ist meist viereckig und hat nur eine winzige Apsis. Die vom Hersteller angegebene Grundfläche ist auf Bodenhöhe gemessen. In 30 cm Höhe wird es schnell eng. Es lässt sich auf kleiner Fläche aufstellen.
  • Das Tunnelzelt bietet das grösste Platzangebot. Es benötigt 6 Heringe für einen sicheren Stand. Zwei auf jeder Seite am Boden und je 1 für die Abspannung der Lüfter. Bei Sturm sind für eine sichere Abspannung mehr Heringe nötig. Ein Tunnelzelt benötigt mehr Fläche zum Aufstellen, logisch. Seine Seitenwände sind fast senkrecht, das gibt mehr Raum.

Zeltgrösse

Für einen gesunden, tiefen Schlaf benötigt ein erwachsener Mensch mind. 70 cm in der Breite. Daraus ergibt sich alles weitere. Normalerweise kauft man das Zelt immer für eine Person mehr, als darin schlafen werden. Für zwei Personen kaufst Du also ein 3-Personen Zelt.

Innenraum

Es gibt Innenzelte mit schrägem und geradem Fussteil. Beim schrägen Fussteil (Bild links) ist die Gefahr gross, dass der Schlafsack das Innenzelt ans Aussenzelt drückt und somit Kondenswasser durchsickert. Das hat allmorgentlich einen feuchten Schlafsack zur Folge.
Das Nammatj Das Kaitum

Gewicht

Die heutigen Reisezelte sind sehr leicht. Die Grenze für Reiseradler liegt bei ca. 4 kg. Nur aus leichten Einzelteilen kann ein leichtes Gesamtes entstehen. Bei einem leichten Zelt werden also dünneres Material und Stangen mit kleinerem Durchmesser verwendet. Daraus würde ich nicht unbedingt schlechtere Qualität schliessen, aber der Gedanke ist da.

Wer es sich leisten kann, sollte seine gesamte Ausrüstung nach hoher Qualität auswählen. Das Zelt muss zuverlässig halten, eine Panne kann tiefgreifende Folgen haben.

Farbe

Neuerdings gibt es Zelte in sehr auffälligen Farben. Das Rot von Hilleberg gefällt auf jeden Fall und sieht auf Fotos grandios aus. Aber für wild camping sind diese auffälligen Farben weniger geeignet. Die Farbe des Innenzeltes sollte auf jeden Fall so hell als möglich sein, damit nicht unnötig Licht ausgefiltert wird.

Handhabung

Das Zelt sollte einfach aufzubauen sein. Wer reist, kommt bestimmt einmal in den Genuss eines Zeltaufbaus in der Dunkelheit oder bei Wind.

Packmass

Das Packmass ist relativ wichtig. Auch die Form spielt eine Rolle. Probiere etwas herum mit der richtigen Falttechnik und ev. einem anderen als dem originalen Packsack.

Zeltunterlage, gemeinhin als Footprint (= Fussabdruck) bezeichnet

Ausser dem Mehrgewicht hat eine Zeltunterlage nur Vorteile. Sie schützt den Zeltboden, sie isoliert etwas, sie vermindert die Kondenswasserbildung in der Apsis. Es gibt Hersteller, die es ermöglichen, dass die Zeltungerlage direkt ans Zelt angeknüpft werden wird. Man muss sie also nicht separat auslegen und mit Heringen feststecken.

Hinweise

Es ist normal, dass sich im Zelt über Nacht Kondenswasser bildet.

Ein undichtes Zelt ist ein Unding Ein Zelt sollte von vornherein dicht sein. Das ist seine Bestimmung. Kaufe kein Zelt, dessen Nähte Du als Käufer noch selber von Hand abdichten musst. Das ist Aufgabe des Herstellers.

Das Jannu von Hilleberg ist ein Geodät Die vom Hersteller angegebene Grundfläche bezieht sich auf Bodenhöhe. Besonders bei ei einem Geodäten sieht das in 30 cm Höhe ab Boden schon ganz anders aus. Deshalb ist die Schräge der Wände oder der Apsis mit Argusaugen zu prüfen.

Zeltpflege, Pflege der Reissverschlüsse

Halte das Zelt aussen und innen sauber. Es hat viel gekostet und verdient die Pflege. Normalerweise reicht warmes Wasser. Wenn Du etwas Spüli benutzt, bitte ganz gut aufwischen. Das Zelt gehört nicht in die Waschmaschine.

Reissverschlüsse verlangen eine besondere Behandlung. Damit sie lange ihren Dienst tun, putze sie regelmässig mit einer Zahnbürste. Regelmässig heisst, in schmutzigen, sandigen, staubigen Gegenden täglich. Entferne mit der Zahnbürste den Staub und alle Ablagerungen auf den Zähnen. Nimm auf langen Radreisen Reservegleiter mit. Dein Zelthersteller sagt Dir, welche Du brauchst oder schickt Dir vielleicht gleich ein paar.



Packliste für Radreisende

Hier eine ‘neutrale’ Packliste. Die Liste ist auf Langzeitreisende ausgerichtet, deshalb sind viel mehr Artikel aufgeführt, als man für eine normale Urlaubsreise benötigt. So geht hoffentlich auch nichts vergessen.

Packliste Excel
Das Excel-File kann natürlich bearbeitet werden. Die Rechnungsformeln sind so weit als möglich schon eingegeben. Es ist auch genügend Platz, um noch zusätzliches Material zu notieren. Falls ich etwas Wichtiges vergessen habe, freue ich mich über eine Benachrichtigung an webmaster at bikeaway.info.

Packliste als PDF
Wer mit Excel nicht umgehen kann oder will, kann sich dasselbe Dokument als .pdf herunterladen und ausdrucken.